Loslassen.

Es ist so weit, morgen fliegt sie nach Hause. Endlich. Ihr Mann und ihre Familie haben es bald geschafft. Da die Beerdigung mitten in der Woche stattfindet, werden wir wohl nicht dabei sein.

Ich wünschte, ich hätte sie besser gekannt. Mehr mit ihr gemacht.

Nun kann ich nur noch Auf Wiedersehen sagen.

Danke, dass du ein Teil meines Lebens warst und ich kurz auch in deines treten durfte.

 

Advertisements

Das große Warum.

Kennt ihr das? Das große Warum, das einfach alles überlagern kann? Es kann. Muss es aber nicht.Das Übel beginnt mit dieser simplen Frage, auf die wir häufig keine Antwort haben. Auf die es manchmal auch einfach keine gibt. Das zu akzeptieren, fällt schwer (nicht nur drei- bis fünfjährigen Kindern, die ihre Eltern in den Wahnsinn treiben).

Wenn ich mal wieder in meinem eigenen Gedankenkarussel festhänge und nicht weiß, wie ich ausbrechen soll, hilft ein einfacher Trick. Ich entgegne dem Warum? ein schönes: Warum nicht? Alle Zweifel sind weg, die Realität ist einfach das, was sie ist und eine Entscheidung wird gefällt, wenn es sein muss. Ohne ewiges Zögern, Hinterfragen, Auseinanderbauen der Möglichkeiten und Hintergründe.

Einfach so. Darum. Warum nicht. Weil es so ist. Basta.

Heute gab es Nudeln mit vegetarischer Bolognese (Zucchini, Oliven und Zwiebeln). Warum? Warum nicht. Und es war lecker.

Die schwere Last des Daseins ist eine Imagination. Selbst gebaut. Und auf einmal löst sie sich auf wie eine Wolke. Einfach so.

Schritte statt Drehung.

Ich gehe Schritte. Vom Zunehmen zum Gewicht halten zum Abnehmen. Anders geht es nicht. Man kann nicht mit voller Geschwindigkeit fahren und dann auf einmal und ganz plötzlich rückwärts fahren. Zwischendurch muss man abbremsen. Ansonsten fliegt man zur Seite weg.

Ich nehme also noch nicht wirklich ab. Ich bin schon ziemlich begeistert, was mir in den letzten Wochen ernährungstechnisch gelungen ist, aber es ist eben noch nicht abnehmen. Aber das ist ok, habe ich heute festgestellt. Alles zu seiner Zeit und Schritt für Schritt. Man muss dem Körper ja auch Zeit geben, sich umzustellen und an das neue System zu gewöhnen. Wenn es dann wie von selbst funktioniert, fein. Aber auch das garantiert noch keinen Gewichtsverlust. Dazu kommt also als nächstes der Sport.

Ernährungsumstellung und Sport (und sorry dass ich es schon wieder erwähne) Todesfall im Freundeskreis war einfach zu viel auf einmal. Eine 180-Grad-Drehung ist so schon unmöglich. Dann noch mit erhöhtem Druck? Nein, geht einfach nicht. Ist ok. Ich feiere also heute mein „Abbremsen“, wenn wir bei der Metapher bleiben wollen. Rückwärts fahren findet erst als nächstes statt. Und dann auch erstmal langsam. Man muss ja schließlich nach hinten schauen, ob man da nicht gegen eine Wand fährt.

 

50 Prozent Glück.

Ich bin heute mal wieder unzufrieden. Das wechselt sich immer total ab, an einem Tag bin ich stolz und geduldig und am nächsten denke ich: „Was für ein Mist, das wird doch nie was“. Zum Beispiel wenn ich mich mal wieder in meine frisch gewaschene Jeans quetsche. Und es sich noch kein Stück leichter anfühlt.

Kleine Schritte, langsam, bla bla bla. Ich muss dringend zum Sport, dann wird es auch wieder besser. Komischerweise schaffe ich es nur nie hinzugehen. Aber momentan ist auch einfach Ausnahmezustand. Ich denke nach der Beerdigung wird alles ein bisschen normaler und entspannter laufen. Es fühlt sich insgesamt schon etwas leichter an (also das Leben und so). Wie war das noch? Alles ist besser als nichts.

Und ich habe den ultimativen Beweis, dass sich schon etwas geändert hat: Ich habe mir vorhin einen Riegel Kindercountry gekauft. Ja, einen. Und ich habe ihn noch nicht gegessen. Noch nicht mal das Bedürfnis danach! Früher hätte ich locker eine ganze Packung am Stück verputzt. Aber es soll sich verdammt nochmal auch bemerkbar machen! Also mittelfristig zumindest. Wenigstens habe ich so einen echten Ansporn, im nächsten Monat meine Eiweißreiche Phase anzugehen. Da sollen die Pfunde ja nur so purzeln. Wir werden sehen.

Manchmal wiederhole ich mich glaub ich. Ich hoffe ich langweile noch niemanden.

Aber ich muss echt sagen, ich bin total happy dieses Experiment gestartet zu haben. Vergleichen kann ich ja erst, wenn ich verschiedene Methoden ausgetestet habe. Und ein Monat ist ein entspannter Zeitraum, um den Körper an etwas zu gewöhnen.

Also ohne jetzt Druck aufbauen zu wollen: Meine Glücksskala liegt im Moment so bei 50 %.

Meine Zufriedenheitsskala ist dagegen sogar bei 70-80 %. Was will man mehr?

 

Worum es wirklich geht.

Es ist Wochenende. Mittlerweile freue ich mich nicht mehr so übermäßig auf den „Ausnahme-Sonntag“, denn ich mache nun fast jeden Tag eine Ausnahme. Im Prinzip fühle ich mich damit wohl, also akzeptiere ich das mal so und achte einfach weiterhin drauf, dass ich es in der Menge nicht übertreibe. Sport blieb diese Woche bei mir komplett auf der Strecke. Ich hatte keine Zeit, keine Lust, es war zu kalt…naja Ausreden fallen einem ja immer ein wenn man danach sucht.

Das nehme ich mal als Zeichen hin, dass mein Körper sich nicht überfordern wollte (obwohl ich im Prinzip weiß, dass es gut getan hätte). Es war einfach ziemlich viel. Und ist es immer noch. Wir treffen uns fast jeden Abend mit den gleichen Leuten, um einfach nur da zu sein. Es gibt nichts mehr zu sagen, nur noch gemeinsam durchhalten, bis es endlich geschafft ist und die Beerdigung stattfinden darf.

Es ist schon bemerkenswert, was zwischendurch alles geschiet, auch wenn man das Gefühl hat, gar nichts zustande zu bringen. Vor allem Kleinigkeiten, die man schnell mal unterbewertet, obwohl sie genauso wichtig sind wie die großen Dinge. Genau so ist es bei der Ernährung. Im Vergleich zu früher (haha, also vor einem Monat) ernähre ich mich viel bewusster und stressfreier. Und dennoch habe ich irgendwo im Hinterkopf dieses Gefühl, dass ich keine radikale Änderung vorgenommen habe und dadurch auch nicht abnehmen kann. Aber das ist es ja gerade. Nur so wird es bei mir funktionieren. Mit Geduld und Durchhaltevermögen.

Ich werde im Februar zwar die nächste Episode meines Projektes beginnen – keine Kohlenhydrate. Aber ich habe beschlossen, dass ich mich nicht den ganzen Monat zwingen werde. So war es im Januar ja auch: Irgendwann hatte ich mein Maß gefunden. Vielleicht wird es mit den Kohlenhydraten genauso sein. Ich werde die überflüssigen identifizieren und kann sie dann ganz entspannt weglassen. Dadurch muss ich nur das andere Extrem einmal testen und weiß dann bescheid. Es ist schön, so voller Zuversicht und Vertrauen in die nächste Phase zu gehen. Und das alles nur, weil die erste mir so  gut gefällt und dank Bloggen ein gewisses Selbstvertrauen gibt.

Ich denke darum geht es uns vielleicht allen beim Bloggen: Endlich einmal auf sich selbst hören in dieser lauten Welt.

Verschwendung.

Jetzt komme ich so richtig in Fahrt. Alles erscheint klar vor mir.

Ich verschwende wichtige Lebenszeit. Ich habe es gut, ich bin glücklich – so glücklich, wie noch nie in meinem Leben, weil ich all das habe, was ich immer wollte.

Aber ich habe Schuldgefühle. Die letzte Woche verbrachten mein Freund und ich viel Zeit mit dem jungen Witwer, dessen Frau letzte Woche gestorben ist. Ihr Vater ist auch da (- sie kommen alle aus Großbritannien). Die Familie war bis zum Montag komplett hier, nun warten der Mann und der Vater unserer Freundin darauf, sie endlich mit nachhause nehmen zu dürfen und dort zu beerdigen. Es ist zäh, schwierig und über allem liegt noch dieser Schleier der Unbegreiflichkeit. Sie sind dankbar für jede Gesellschaft, die gemeinsamen Stunden. Doch es dehnt sich furchtbar, weil noch alles ungewiss ist. Behörden halt.

Ich könnte jetzt (zwischendurch) weiter machen, leben, glücklich sein. Doch ich erlaube es mir nicht. Weil sie es nicht mehr kann. Weil ich denke, dass ich es ihr schulde, traurig zu sein und sie hintergehen würde, wenn ich jetzt glücklich wäre. Ich weiß, dass das Schwachsinn ist und es überhaupt nicht hilft. Dass die Zeit so oder so vergeht, dass ich damit niemandem helfe und im Gegenteil meine Kraft verliere, die ich ansonsten weitergeben könnte. Doch so sieht es aus.

Das Schreiben hat mir wieder einmal geholfen, meine Gedanken zu ordnen und mich selbst besser zu verstehen. Jetzt brauche ich kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, muss mich nicht mehr schuldig fühlen. Ich brauche die Kraft, gerade jetzt. Ich darf die Zeit nutzen, glücklich sein. Ich kann trotzdem an sie denken und sie ehren. Alles andere wäre Verschwendung kostbarer Lebenszeit.

Update (Leere).

Wow, mein Beitrag von vorhin (und die Kommentare dazu) haben mich selbst ein wenig schockiert. Ich merke, dass es wie ein Hilferuf an die Welt war und habe dann gleich beschlossen, mich wieder selbst an die Hand zu nehmen.

Bisher lief es ganz gut.

Ich kenne das alles, es ist nicht neu. Und ich war schon so viel weiter. Ich kenne die Antworten auf die Verzweiflung, weiß wie Heilung aussieht, habe das Licht am Ende des Tunnels gesehen. Und die wichtigste Lektion gelernt: Schmerz zulassen. Aushalten und die Veränderungen im Leben nicht verleugnen, sondern Kraft daraus ziehen. Habe gelernt, zu verzeihen und habe verstanden, dass andere Menschen einfach anders sind. Dass man am besten die Realität akzeptiert, anstatt dagegen anzukämpfen.

Und trotzdem stehe ich wieder hier und tue genau das alles wieder. Zweifle, bin wütend und traurig, warte auf die Besserung und weiß, sie wird nicht kommen, solange ich mich dem Schmerz nicht stelle. Bin ungeduldig.

Denke zu viel.

Aber falls sich jemand Sorgen macht: Danke. Und seid beruhigt. Ich bin nur etwas ungeduldig und stehe mir selbst im Weg. Aber es wird sich finden und sortieren.