Schönheit aushalten.

Ich hätte früher nie gedacht, was das für eine Wahnsinnsaufgabe sein kann. Ehrlich gesagt, habe ich darüber überhaupt noch nicht richtig nachgedacht, bis vor kurzem.

Ich befürchte, ich bin nicht dafür gemacht, Schönheit auszuhalten. Für mich hat Harmonie immer etwas trügerisches gehabt; eventuell sogar etwas bedrohliches. Es hat mir Angst gemacht. War es ruhig, waren die Dinge in Ordnung – so war etwas faul. Es stand mindestens ein großer Sturm bevor, eventuell auch mal der Weltuntergang. Das meine ich wirklich ernst, auch wenn ich jetzt nicht dramatisieren will. Es gab einfach viele Szenarios, die sich in meinem Kopf abspielten – von explodierenden Atomkraftwerken über schweren Unwettern bis hin zum nächsten (Welt-)Krieg.

Heute sehe ich das Leben gelassener. Ich ordne Nachrichten und merkwürdige Stimmungen ganz anders ein, ich habe gelernt, dass ich überlebe. Auch wenn das vielleicht komisch klingt. Ich sagte zum Beispiel mit zwanzig, dass ich Harmonie (in Beziehungen) langweilig finde. Dass sie mir Angst gemacht hat, wollte ich wohl nicht wahr haben. Ich tat lieber so, als wäre ich auf Spannung und Abenteuer aus.

Inzwischen habe ich gelernt, dass es gut ist, wenn man sich etwas gutes tut. Dass es schön ist, wenn es einem einfach mal gut geht. Dass nicht gleich der Weltuntergang folgt. Dass man sich nicht selbst bestrafen muss, dafür, dass man sich komplett in einer Situation verloren hat. Es war ein weiter Weg.

Ich bin ein absoluter Ordnungsfanatiker, manchmal schon zwanghaft. Aber dadurch, dass ich darum weiß, kann ich auch einfach mal den Haushalt (oder was sonst so zu tun ist) liegen lassen. Ich bin halt so. Je mehr ich das akzeptiere (und mich sogar frage, woher das nun eigentlich kommt), desto eher kann ich davon auch mal Abstand halten. Über mich lachen.

Meine Theorie: In jungen Erwachsenenjahren bauen wir uns ein Zuhause, eine Familie, eine Karriere oder sonst etwas auf, in dem wir uns wohl fühlen. Wenn wir das geschafft haben, angekommen sind, ist aber nicht einfach Genießen und Ausruhen angesagt. Die nächste, vielleicht sogar eigentliche Aufgabe steht bevor: Schönheit aushalten.

Dann folgt die Midlife-Crisis, wie man so schön sagt. Ist das, was wir uns ausgesucht haben, eigentlich auch das „richtige“? Können wir hier zuhause sein und annehmen? Wie entwickelt man sich trotzdem weiter, auch wenn man sich angekommen wähnt? Daraufhin brechen viele Leute aus ihrem Leben aus.

Ziehen um, lassen sich scheiden, beginnen eine neue Karriere.

In einigen Fällen glaube ich, haben sich die Menschen von Anfang an die „falschen“ Träume aufgebaut. Sie wurden eigentlich von anderen geträumt, oder man dachte zumindest, dass die Eltern oder sonstwer diesen Weg erwarten würden.

In anderen Fällen kam wohl einfach die bedrohliche Stille und Leere auf sie zu. Füllt eure freie Zeit, stopft eure Löcher, bloß nicht zu viel Nachdenken. Bloß nicht aushalten. Bevor alles zerbröselt, lieber selbst zerstören. Lieber davon laufen, bevor man weggeschickt wird.

Meine Aufgabe ist es definitiv: Zu lernen, Schönheit auszuhalten. Lieber zu weinen, statt zu rennen. Zu atmen, statt dagegen an zu reden. Ich hoffe, ich werde besser.

 

 

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Zeit für mich.

Das kann eigentlich alles bedeuten. Zum Beispiel, dass ich einfach nur mal herumsitze, in fremden Blogs stöbere und mich inspirieren lasse. Oder dass ich meine Lieblingsserie schaue. Oder meine Kosmetika sortiere und etwas wiederentdecke. Musik höre. Das wichtigste daran: Die Zeit vergessen. Einen Sonntag zum Beispiel mal außerhalb des Alltags verbringen (und wenn es nur eine Stunde ist).

In der Schulzeit habe ich in den Ferien wirklich noch Langeweile gehabt. Produktive Langeweile, denn nach den Ferien war ich bereit für etwas Neues. Ich kaufte mir Mappen oder Stifte, mit denen ich frisch loslegen konnte.

Ich muss zugeben, das habe ich verlernt. Heute will ich produktiv sein, auch in den Pausen. Ich will etwas (er)schaffen, damit ich mich gut fühle. Dabei ist sich selbst verlieren manchmal ganz heilsam.

Mit zunehmendem Alter fällt es uns wohl einfach schwerer, sich die Zeit zu rauben, um sie einfach sinnlos zu „verbringen“. Deshalb müssen ganze Meditationszentren gebaut werden. Damit wir eine Rechtfertigung haben, irgendwo hingehen dürfen, wo wir uns einfach kurz selbst loslassen können.

Ich will probieren, diese Zeit täglich (wieder) zu finden. Als eine Art Übung.

 

Ein Kilo abgenommen.

Heute hab ich mal ganz spontan losgelassen. Ich habe innerhalb einer halben Stunde locker ein Kilo verloren – ich war beim Friseur. Mit so einem neuen, leichten Kopf lebt es sich gleich viel besser.

Die Frisur gefällt mir sehr gut, wenn ich mich auch erst noch dran gewöhnen muss. Als ich mir vorhin einen Salat gekauft habe, habe ich sogar schon das erste Kompliment bekommen – vom Verkäufer. Ich bin sehr froh, dass ich mich getraut habe, diesen Schritt zu gehen.

Mein Selbstwertgefühl hat sich enorm gesteigert.

Unnützes Gewicht mit sich durch die Gegend zu schleppen, sich herunterziehen zu lassen, stundenlange Zeitvergeudung durch Föhnen – all das war gestern.

 

Erfolg.

Seit ich mit diesem Projekt begonnen habe, habe ich gute zwei Kilo zugenommen. Ich schiebe das nicht aufs Bloggen, auch nicht auf mein „Versagen“ beim Abnehmen, es ist ok. Ich fühle mich zwar nicht wohler als vorher, aber zumindest zeitweise auch nicht unwohler. Ich versuche nun, mich auf das Jetzt zu konzentrieren.

Ich mache wieder Sport, wenn auch langsam. Ich kenne mich. Wenn ich jetzt in Panik verfalle und noch verkrampfter werde, ändert sich nichts. Ich kenne jetzt das einzige Mittel, das mir persönlich hilft, abzunehmen: Geduld. Davon habe ich nicht so viel, deswegen muss ich mich ganz auf meine Motivation konzentrieren.

Das richtige in richtigen Maßen zur richtigen Zeit machen. In eine leichtere Zukunft investieren. Klingt vielleicht etwas vage, aber konkrete (absolute) Restriktionen würden nur Stress bedeuten.

Stattdessen mehr und weniger: Mehr Bewegung, weniger essen. Weniger Süßes. Weniger Druck und Stress. Mehr Zeit für mich. Mehr Zeit für meinen Freund und meine Freunde. Fokus und Planung von guten Dingen statt die Konzentration auf „Probleme“.

So in etwa funktioniert es. Und dann noch ganz viel Geduld.

Und wieder mit dem Körper reden: Brauchst du das jetzt wirklich oder ist es ein Automatismus? Oder gar eine Kompensation?

 

Bald ist es soweit.

Die Oma, von der ich bereits erzählt habe, ist seit kurz nach Weihnachten in mehreren Krankenhäusern und ähnlichem unterwegs. Sie hat inzwischen mindestens zwei schwere Operationen hinter sich, war nicht einmal Zuhause in der ganzen Zeit und hat keine Lust mehr. Sie wird gehen. Besuch ist nicht möglich, bzw. nur unter schweren Bedingungen, aber ich war schon bei ihr. Auch wenn das vor ungefähr einem Monat war.

Sie hatte ein schönes, erfülltes Leben, wenn es auch ruhig noch eine ganze Weile hätte weitergehen dürfen. Aber sie ist bereit. Die Familie ist bereit. Bin ich bereit? Ich versuche es. Manchmal glaube ich, dass ich vorgewarnt wurde. Durch das Ereignis im Dezember, als ich bereits dachte, sie wäre tot. Durch einen merkwürdigen Traum im letzten Jahr. Durch so vieles, was in den letzten Monaten passiert ist. Und schließlich durch eine Art Begegnung in der letzten Woche. Als wäre ihr Geist bei mir gewesen und hätte sich verabschiedet. Aber ich weiß nicht, wie es dann tatsächlich sein wird. Ohne sie.

Ich stehe vor einer weißen Wand, vor einem Loch, vor einem leeren Buch. Doch das wichtigste ist, dass sie gehen darf.

 

Tü-te-li-asla-alao-ajeo.

Aha, werdet ihr jetzt denken.

Kenne ich.

Klingt irgendwie spanisch.

Ich versteh nur bahnhof.

Oder halt irgendwas anderes. Vielleicht.

Oder auch nicht.

Vielleicht ist sie übergeschnappt?

Mag sein.

Wenn die Finger erstmal so alleine vor sich hin tanzen auf der Tastatur, dann ist alles zu spät.

Apropos. Ich geh dann mal schlafen.

 

Ein Mädchen der Stille.

Ich bin geboren in die Lautlosigkeit,
habe gelernt, auf rohen Eiern zu laufen,
ich kann stundenlang schweigen,
mich in der Stille verlieren,
ich höre tausend Dinge und spüre die kleinsten Töne,
halte sie aus und halte inne,
genieße die Ruhe,
spreche auch durch Pausen,
fühle die Fülle an Energie und Emotionen,
lausche den feinsten Klängen.

Doch an dem Tag, an dem du mir gesagt hast, ich würde schreien,
da wusste ich, dass ich einfach auch mal laut sein muss.