Betrunken.

Vom Glück und von der Welt. Ohne einen Tropfen Alkohol. Das Leben wie in einem Rausch, schlierend und schimmernd, schwimmend und pochend.

Ich genieße es, solange es anhält.

Wollte mich nur mal wieder melden…

 

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Füttern.

Ich füttere meine Ängste und mein inneres Kind. Manchmal meinen Frieden. Ich füttere einen Spielplatz, vergessene Freunde und vergangene Liebe. Und die Leere. Manchmal füttere ich auch einfach die Langeweile. Ich füttere alles was da ist und gefüttert werden will, weil ich so lieb und nett bin. Nicht immer mit Essbarem, aber viel zu oft.

Ich füttere einen inneren Garten voller Blumen und Bäume, in denen ich mich verstecken kann und wo ich zur Ruhe komme. Wo mich aber auch manchmal die Erinnerungen jagen, hoch bis ins Baumhaus.

Ich füttere den Hund, die Katze, den Goldfisch. Und mich. Meine Gäste. Und die Gedanken.

Ich füttere, weil ich mich kümmere und dabei vielleicht sogar verkümmere. Ich halte das Essen zurück und versuche die richtige Menge abzuschätzen, dann werfe ich doch alles auf einmal hinein. Dann ist es wenigstens erledigt.

Ich füttere die Wartenden, die Lachenden, die Erzählenden, die Ängstlichen. All die Teile eines nicht vollständigen Ganzen. Doch auch dies hält nichts zusammen, lässt alles verschwimmen und in die Breite gehen. Sich verteilen und voneinander fliehen. All die Teile, die eigentlich zusammengehören möchten und sich wohl irgendwo, irgendwann einmal verloren haben.

Ich füttere und sehe zu, wie sich die Entchen im Teich auf die Krumen stürzen, um die Wette schnattern und schließlich eine Möwe in gewagtem Sturzflug allen den Leckerbissen wegschnappt, nur um ein paar Meter weiter fast an ihrer Gier zu ersticken.

Ich füttere und dekoriere liebevoll, gleichzeitg angewidert von all den Kalorien und noch viel mehr dem Widerwillen einer Magersüchtigen, die mich kritisch beäugt und so unzufrieden ist mit sich und der Welt und wir hassen uns, obwohl wir wohl irgendwo ganz tief in unserem Innern einfach nur das gleiche Leid ertragen – doch gewinnen werden wir beide nicht, wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. Und irgendwie habe ich am Ende doch das Gefühl, ein wenig mehr Frieden davonzutragen als sie, bis mir wieder bewusst wird, wie sehr ich auf sie fixiert bin und auf meine Vergangenheit. Um mich dann wieder genau wie am Anfang zu fühlen. Also ziehe ich eine Tüte mit allen möglichen Sachen hervor und fange an zu füttern.

 

Ich wusste es immer.

Seit ich denken kann, wusste ich, was ich zu tun hatte. Die Schule hatte einen vorgegebenen Zeithorizont, wenn der auch nicht wirklich realistisch abzuschätzen war. Mit sechs kann man sich nicht vorstellen, jemals so groß zu sein wie die 15-Jährigen. Selbst mit dreizehn fiel es mir schwer, mich als jemals „erwachsen“ zu sehen und irgendwann mein Abi zu erreichen. Das war alles noch schön in weiter Ferne.

Natürlich habe ich die Schule auch gehasst. Aber es gab halt nichts anderes, an dem ich mich hätte orientieren müssen. Alles andere war nachgeordnet. Die Nachmittage, Ferien, sogar Freunde und Hobbies. Irgendwann in der Oberstufe schnupperte ich das erste Mal Freiheit. Meine Eltern, genauer gesagt meine Mutter, war sehr streng. Nein, eigentlich war sie nur ängstlich. Über-ängstlich. Aber ich habe es damals als Strenge erlebt. Ich hatte einen kleinen Bruder und wir mussten nach der Schule sofort nachhause kommen um gemeinsam zu essen. Egal, was war. Zur Not fuhr ich auch mal nachhause und danach wieder zurück dorthin, wo ich gerade war…Ausnahmen waren selten. Aber irgendwann war ich 18 und das Leben änderte sich ein wenig.

Ich unternahm etwas mit Freunden, ging aus und so weiter. Und auch die Schule lockerte sich in gewisser Weise. Aber letztlich hat mich nichts wirklich auf die Freiheit vorbereitet, die danach kam. Mein Leben verlief in so starren Bahnen, dass alles danach pure Überforderung war. Natürlich habe ich mir das niemals eingestanden, sondern weiter nach Struktur gesucht. Aber ich konnte nicht mehr sagen, ob dieser wahnsinnige Freiheitsdrang in mir mein wahres Ich war oder die Gewohnheit an einen winzigen Radius.

War ich bloß das Resultat meiner Erziehung?

Ich begann, nach meinem wirklichen Ich zu suchen. Anstatt mein Leben zu genießen. Ich war wahrscheinlich schrecklich verwirrt. Ich studierte, denn etwas anderes konnte ich mir nicht vorstellen. Aber auch das Studium neigte sich irgendwann dem Ende zu. Und hier wäre natürlich Selbstorganisation wichtig gewesen. Doch je näher ich dem Ende kam, desto verschwommener wurde alles.

Während des Studiums arbeitete ich, um mich zu finanzieren. Diese beiden Elemente gaben mir stets Sicherheit. Lernen und Arbeiten. Ja, ich war dann wohl etwas wert, ich erbrachte ja Leistung und meisterte meinen eigenes Leben. Zahlte Miete und erhielt mal bessere, mal schlechtere Noten.

Heute schlage ich mich das erste Mal in meinem Leben ohne Anleitung durch.

Irgendwie war da immer ein Weg.

Ich wusste immer, was ich zu tun hatte.

Und jetzt?

 

Zwischendurch.

Ja, ich bin noch da (falls sich das jemand gefragt hat). Manchmal frage ich es mich sogar selbst:

Hallo Sittingcake, bist du noch da?

Ja, hier.

Ok, dann immer schön weitermachen.

Womit?

Naja, mit allem, so. Du weißt schon.

Aha. Gut, wird gemacht.

Wie geht es denn in Sachen Leben und Abnehmen?

Ja, das Übliche. Leben läuft ganz gut, abnehmen eher bescheiden. Ich gehe jetzt strikt zwei Mal die Woche zum Sport.

Das ist ja schon mal etwas!

Klar.

Du klingst nicht begeistert.

Doch, doch, macht Spaß. Ist gut, konsequent und so. Aber ich sehe halt noch keinen Erfolg.

Hm, das geht ja auch nicht von heute auf morgen.

Ich weiß.

Lass uns in ein paar Wochen wieder sprechen, dann wird es sich bestimmt zeigen.

Ok.

 

Standhaftigkeit.

Die Sache mit den Belohungen hat ja nicht so ganz funktioniert – ich habe bisher einfach nicht abgenommen. Daher habe ich nun beschlossen, mir kleine „Motivationungen“ zu kaufen, wenn sie mir über den Weg laufen.

Nr. 1: Ein T-Shirt, neonfarben, das ich zum Sport anziehe. Seitdem war ich schon zwei Mal damit beim Sport und hab mich richtig gut gefühlt darin! Es strahlt Freude aus und macht eine gute Figur.

Nr. 2: Ein Kochbuch mit Salat-Ideen. Ich habe es gesehen und musste es einfach haben. Das erste Rezept wird gleich nächste Woche umgesetzt: Ein Mango-Tomaten-Salat. Ich freu mich drauf!

So macht es doch Spaß. Das Leben, Sport, kochen, essen. Und dann vielleicht am Ende auch ein bisschen leichter durch die Gegend zu laufen.

Außerdem habe ich (mal wieder) festgestellt, dass es auch Vorteile haben kann, übergewichtig zu sein. Man muss es nur nutzen. Ich war nämlich tanzen. In der Disco war es ziemlich voll, hat aber trotzdem sehr viel Spaß gemacht. Bis ein nerviges Tanzpärchen ankam und mich permanent geschubst hat. Die waren wirklich dreist. Ich habe es mir ein paar Mal gefallen gelassen, dann bin ich plötzlich gegen die beiden gesprungen. Eine Sekunde lang wusste ich gar nicht was los war und war sehr schockiert über mich selbst. Die umstehenden Leute haben auch kurz geschaut, dann ging es aber zum Glück weiter. Das kann man nicht machen, wenn man 40 Kilo wiegt. Ist aber auch eine Einstellungssache.

Grundsätzlich habe ich gelernt: Ich kann einfach mal stehen bleiben. Die Leute müssen dann um mich herumlaufen, keiner traut sich, mich zur Seite zu drängen. Meine Masse nutze ich für die klare Botschaft: Hier stehe ich. (Das Ganze hat eigentlich nichts mit Gewicht zu tun, aber es ist tatsächlich leichter, wenn man etwas mehr drauf hat.)

Die zweite Lehre aus dem Abend: Ich kann auch mal austeilen und muss nicht nur einstecken. Wäre ich ein Mann gewesen, wäre das allerdings eventuell nicht so glimpflich ausgegangen…