Abgrenzung tut weh.

Erwachsen werden, Verantwortung übernehmen, Nein sagen.

Tut weh. Geht gar nicht anders.

Ich lerne, andere „vor den Kopf zu stoßen“ und auf mich selbst zu hören.

Da es aber sehr ungewohnt ist, tut es auch mir weh, zumindest im ersten Moment.

Wenn ich aber meine alte „Überlebensstrategie“ weiter fahre, werde ich niemandem helfen, am allerwenigsten mir selbst.

Auch Einsichten tun manchmal weh.

 

Advertisements

Ich kann ihr nicht weh tun.

Sie ist die eine, die immer mehr gelitten hat als alle anderen.

Durch sie habe ich meinen intensivsten Schmerz gespürt.

Ihre Wut, ihre Traurigkeit, ihren Hass, ihre Verzweiflung.

Wie ein Schatten, Nebel, Morgengrauen.

Ich kann ihr einfach nicht weh tun.

Es bricht mir das Herz.

Vielleicht muss ich es endlich einmal versuchen.

 

Vertrauen in die Haltbarkeit der Dinge.

Das kann man so doppeldeutig sehen!

Ich bin schon immer ein Freak gewesen, was Essen und Trinken angeht. Bestand auch nur der leiseste Verdacht darauf, dass etwas nicht mehr gut sein könnte, landete es im Müll oder Abfluss. Was aus dem Kühlschrank oder dem Tiefkühler kam, musste sofort gegessen oder getrunken werden.

Durch liebe Menschen um mich herum ändert sich von Zeit zu Zeit meine Sichtweise. So auch in diesem Fall.

Ein offener Saft stand einen ganzen Tag lang herum, bei Zimmertemperatur. Abends räumte ich ihn in den Kühlschrank  – bereits halb überzeugt, dass ich ihn sowieso am nächsten Morgen wegwerfen würde. Doch meine Freundin überredete mich, von dem Saft zu probieren. Also tat ich es.

Und? Der Saft war natürlich noch gut.

Natürlich sei jetzt mal dahin gestellt.

Ich lerne also gerade, ein neues Vertrauen in eine unterbrochene Kühlkette zu setzen.

Interessanterweise überträgt sich das auch auf meine Essgeschwindigkeit (es wird ja nicht sofort alles schlecht, wenn es eine Weile herumliegt), auf die Dauer (ich nehme mir insgesamt mehr Zeit) und auf die Menge (es muss nicht alles vernichtet werden, bevor es schlecht wird).

Vielleicht vertraue ich nun auch insgesamt mehr in die Dauer von Dingen und nehme mir bewusst mehr Zeit zu genießen und leben. Und wenn ich wirklich dabei zusehen kann, wie etwas verdirbt, dann war es meiner Aufmerksamkeit sowieso nicht wert.

Ich erinnere mich, dass ich mir früher wesentlich mehr Zeit genommen habe beim Essen und vor allem Trinken. „Verlustangst“ mal anders?

 

Kümmern.

Ich beginne, mich um mich selbst zu kümmern.

Egoismus in einer völlig positiven Weise. Heute morgen zum Beispiel hatte ich keine Lust auf ein Frühstück, aber ich wusste, das war keine gute Idee. Vom Kopf her. Also hab ich mich selbst überredet, etwas zu essen und Energie zu tanken.

Ansonsten wäre es in einer vormittäglichen Qual geendet. Auch zum Mittag hatte ich eigentlich keine Lust etwas zu essen. Ich hätte es dann am frühen Nachmittag bereut (und später massenhaft nachgeholt).

Stattdessen habe ich mich selbst zum Essen eingeladen. Es gab zwar „nur“ Kantinenessen, aber ganz bewusst, ganz für mich allein.

Allein essen zu gehen ist schon eine Herausforderung. Aber es war schön.

Zum Abend hin habe ich dann auch etwas gegessen und bisher keine Heißhungerattacke oder Frust gehabt. Keinen völligen Durchhänger. Unglaublich, dass ich die einfachsten Dinge anscheinend (neu) lernen muss.

Was mal Freiheit bedeutet hat (weg von all den starren Mahlzeiten innerhalb der Familie zu starren Uhrzeiten), ist ausgeufert. Ich habe mich selbst irgendwo ein bisschen verloren. Essen in der Öffentlichkeit hat keinen Spaß mehr gemacht. Allein dann aber auch irgendwann nicht mehr.

Manchmal muss man wieder ganz von vorn anfangen.

Wahnsinn, ich lerne gerade wieder, ordentliche Mahlzeiten zu essen. Man kann nicht gegen die (eigene) Natur leben.

 

 

Glück.

Das bedeutet Glück für mich:

Ruhe.

Ausgeglichenheit.

Bewegung.

Umbruch.

Kreatives Chaos.

Ordnung.

Ein Kribbeln.

Ein Lachen.

Die Vereinigung dieser Dinge und jedes einzelne Element.

Leben.

 

Fragen einer Heimgekehrten.

Und was, wenn es nun zu spät ist? Für eine Rückkehr, einen Neuanfang, eine 180-Grad-Drehung? Was, wenn die verlorene Zeit nicht einzuholen, die Schäden irreparabel sind?

Und warum dieser Blickwinkel? Man könnte genau so gut fragen, warum nicht eher. Oder einfach sagen, wunderbar. Hervorragend. Phantastisch. Mehr davon, auf geht es zu einem neuen Kapitel.

Aber so ist es nicht. Und die Norm gibt es nicht.

Aber scheinbar gewöhnen wir uns so schnell an einen Zustand, dass der Neue immer nur vorübergehend wirkt. Egal, ob Tag oder Nacht, wir glauben nur an das, was wir gerade sehen…