Ich schwimme um den Pfahl.

Der Pfahl hat mich gerettet. Als ich zu ertrinken drohte, war er da, hat mich durch das strudelnde Wasser geführt. Ich klammerte mich fest, ganz stark, bis sich das Wasser wieder beruhigt hatte. Nun sitze ich auf diesem Pfahl und starre ihn an und frage mich, warum ich nicht einfach hinüber schwimme, zum Ufer. Das Wasser ist längst klar, schwimmen kann ich auch. Aber ich habe mich an ihn gewöhnt, vertraue mir noch nicht. Ich schwimme um ihn herum, ein paar Meter weg und dann gleich wieder zurück. Sitze ich drauf oder halte ich ihn fest, fühle ich mich wie ein Versager. Am Ufer stehen Leute und rufen mir zu. Doch ich glaube nicht, dass ich es schaffe. Noch muss ich ein bisschen bei ihm bleiben. Ihm vielleicht noch ein bisschen dankbar sein für die Hilfe in schweren Zeiten.

Ich fühle mich diesem dämlichen Pfahl gegenüber verpflichtet.

 

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Weiblichkeit.

Frauen sind anders. Als Männer, aber auch, als sie selbst manchmal denken.

Was zum einen am Gesellschaftsbild liegt, zum anderen an der einzelnen Frau, wie sie mit sich und ihrer Umwelt umgeht.

Sind wir nicht alle ein bisschen essgestört? Dachte ich mir letztens.Zeitschriften titeln abwechselnd total schizophren „Diese Stars leiden unter Diät-Wahn“ und „Horror Wohlfühlbauch“ mit vorher/nachher-Bildern. Mütter, die gerade ein Baby zur Welt gebracht haben, hungern sich innerhalb weniger Wochen auf ihr früheres Gewicht herunter und weinen trotzdem dem früher mal sooo flachen Bauch hinterher. Dass sie gerade einen Menschen produziert haben – mit allem drum und dran – scheint völlig normal zu sein. Dabei ist es eine verdammt große Leistung, die für sich schon einmal angemessen honoriert werden sollte!

Kaum eine Frau in meiner Nähe redet nicht ständig übers Essen und Nicht-essen, über das wenig oder „vernünftig“ essen und manchmal auch über das Wiederaus… des Essens. Wenn sie nicht darüber redet (meistens beim Essen selbst), dann denkt sie dran.

Dreht es sich nicht ums Essen (das anscheinend in jeder Hinsicht eine Gefahr darstellt, obwohl es auch einfach nur Essen sein könnte), dann geht es um Sport und Training. Viele scheinen besessen von dem einen oder dem anderen.

Klar ist das Ganze auch bei mir ein großes Drama. Aber es ist faszinierend, wie sehr das Phänomen verbreitet ist.

Was, wenn wir uns beim Essen auch über andere Dinge unterhalten könnten? Was, wenn wir sogar einfach mal sagen könnten: Darauf habe ich jetzt gerade richtig Appetit. Ohne ein schuldbewusstes „Ich weiß, es ist schlecht für mich“ hinterher zu schieben. Schlecht wird es erst in dem Moment, indem wir es schlechtreden und -denken. Indem wir Bauchschmerzen bekommen, weil wir es trotzdem zu uns nehmen – oder nicht, um dann anschließend allein im stillen Kämmerlein nachzuholen, was eigentlich so verdammt ungesund ist.

Was, wenn wir einfach Sport machen würden, weil wir Lust darauf haben, ohne es vorher groß zu planen und hinterher stundenlang zu analysieren?

Wenn wir, statt mit anderen Frauen zu konkurrieren oder uns zu rechtfertigen, einfach nur mal wieder auf das eigene Gefühl hören? Die Lust und Unlust wahrnehmen und akzeptieren?

Was, wenn wir einfach mal wieder unserer inneren Stimme vertrauen, unserem Körper? Und hören, was er uns tatsächlich versucht zu sagen?

Mit Essstörung meine ich nicht, etwas falsches oder zu viel zu essen oder zu wenig zu essen oder, erst in rauhen Mengen zu essen und es sich dann doch anders zu überlegen.

Ich meine die Dramatisierung und Dämonisierung von Essen.

Der Dämon sitzt nämlich eigentlich ganz woanders (wo, kann jede(r) für sich selbst herausfinden).

Wenn du beim Essen mehr Hunger hast als andere, ist das in Ordnung. Wenn du keinen Appetit hast, obwohl es Essenszeit ist, auch in Ordnung. Wenn du satt bist, lass den Rest liegen. Oder iss es später auf. Wenn das Tischgespräch in eine Richtung führt, die dir den Appetit verdirbt, setz dich weg oder bitte um ein anderes Thema. Wenn du Hunger hast, obwohl du eigentlich satt bist, frag deinen Körper, was los ist.

Die Antworten sind da. Aber es sind nur deine ganz persönlichen. Immer. Wirklich. Lass dir nichts anderes einreden.

 

Die Angst vor dem Selbstbewusstsein.

Die Idee, dass ich „selbstbewusster“ sein könnte oder gar müsste, stresst mich schon ziemlich lang. Selbstbewusstsein bedeutet für mich Konfrontation, Machtgehabe, Aggressivität. Und auch ein „notwendiges Übel“, da man seine Grenzen nur aufzeigen kann, indem man andere darauf aufmerksam macht.

Inzwischen hat sich mein Bild gewandelt. Selbstbewusstsein heißt einfach nur, zu wissen, was man will und was nicht. Was dann in der Interaktion mit anderen entsteht (ob sich jemand durchsetzt oder sich beide den Raum zugestehen, den sie benötigen), ist eine andere Sache.

Im ersten Schritt darf man sich seiner selbst erst einmal bewusst werden. Dann kommt der Rest wie von allein und ist überhaupt nicht mehr anstrengend. Man muss andere ja nicht überrennen, überrumpeln, überzeugen oder sonst etwas. Man muss auch nichts spielen, was man nicht ist (dominant).

Man kann einfach sagen, dass man eine andere, eigene Meinung hat. Und die des anderen trotzdem stehen lassen.

Nicht mehr und nicht weniger.

 

 

Ein Traum: Die Bombe schlägt ein.

Also erstmal vorweg: Ich rauche nicht. Mein Laster ist ja bekanntlich das Essen, das übermäßige und unkontrollierte. Oder einfach das gewohnheitsmäßige.

In diesem Traum sitze ich allein in einem Raum, es sieht ein bisschen aus wie ein Wintergarten, mit großen Fenstern. Oder eine Art Durchgangszimmer, ein Vorzimmer. „Die anderen“ sind gerade gegangen. Ich sitze allein in diesem Raum, vor einem Tisch – und zünde mir eine Zigarette an. Verdammt! denke ich. Wieso rauche ich denn bloß, das muss doch nicht sein. Ist ungesund und gebraucht habe ich es auch noch nie.

Aber ich will, also greife ich zum Feuerzeug, zünde das Ende an und sauge den Qualm ein. Schon tickt es in der Zigarette. Hilfe, es ist eine (Zeit-)Bombe! Ich gerate in Panik und schmeiße die brennende Zigarette aus dem Fenster. Sie landet auf meiner alten Schule. Schnell schließe ich alle Fenster und Türen, im Radio läuft bereits eine Durchsage. „Es gab ein Todesopfer aufgrund einer Explosion, von der wir die Ursache noch nicht bestimmen können. Eine Frau ist gestorben.“ Ich renne weiter durch das Haus und schließe alle Fenster. Dann knallt es draußen. Ich spüre die Erschütterung unter meinen Füßen. Aus dem Fenster, hinter den Bäumen, sehe ich braunen, wolkenartigen Rauch aufsteigen. Zum Glück ist nur eine Person gestorben.

Wer das war, kann ich nur ahnen, im wachen Zustand. Ich wette, sie ist explodiert und wusste nicht einmal, warum.

Ich wette, sie braucht keine Betäubung mehr, sondern will ihre Wut rauslassen, wenn es nötig ist. Ich glaube, sie will die alte Erziehung/Bildung ausmerzen und neue Wege gehen. Das gefährliche Suchtmittel vom Innen ins Außen lassen.

Im Traum hat sie wohl das Richtige getan, hier muss sie es noch lernen.