Action!

Das Adrenalin rauscht durch meine Ohren, die Musik lässt mein Herz schneller schlagen. Rote Fäden aus Licht schießen durch den Raum, ich renne vor und zurück, springe auf und wieder runter, verschanze mich hinter einer Mauer. Mit einem treffsicheren Schuss und unglaublich viel Glück schalte ich zwei Gegner hintereinander aus. Wer das ist – mir völlig egal.

Dann werde ich selbst getroffen, so ein Mist. Nach etwa zwei Stunden bin ich völlig außer Atem, durchgeschwitzt und hatte den besten Sport seit ewiger Zeit. Den vom Typ „nicht nachdenken“. Den, bei dem die Zeit wie im Flug vorbei rast. Und den, nachdem ich mich zwar völlig ausgepowert, aber nicht erschöpft fühle, sondern aufgedreht.

Ich liebe Lasertag.

Freunde. Freunde?

Das Wochenende ist irgendwie immer ein bisschen anders als die Tage unter der Woche. Es gibt meist irgendwelche Verabredungen, bei denen oft gegessen und noch öfter etwas getrunken wird.

Wenn ich mal ein Stück Kuchen esse oder eine zuckerhaltige Limonade trinke (letztens hatte ich auch ein Eis), dann werde ich in letzter Zeit komisch angeguckt. So nach dem Motto: Willst du das wirklich? Ich dachte, du nimmst so etwas jetzt nicht mehr zu dir. Und dann auch ausdrücklich gefragt, in allen drei Fällen.

In Wahrheit nehme ich Süßkram jetzt auch seltener (und in viel kleineren Mengen) zu mir. Und paradoxerweise auch öffentlicher. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich früher niemand darum geschert hat, was ich esse und trinke. Und ich selbst wohl auch nicht. Seit ich allerdings (sichtbar) abnehme, denken die Leute, ich verzichte auf alles. Was ich nicht tue. Natürlich gibt es Tage, an denen ich praktisch nur Obst, Gemüse und Proteine zu mir nehme. Ich bin auch umgestiegen auf zuckerfreie, süßstoffhaltige Getränke, da ich nicht immer nur Wasser trinken mag. Aber gerade am Wochenende genieße ich auch „ungesundes, unnützes Zeug“. Nur halt in Maßen und bewusst.

In letzter Zeit fühle ich mich so beobachtet. Früher schien es niemanden interessiert zu haben, was, wann und wie viel ich esse. Selbst mit Ankündigungen (à la „ich verzichte gerade auf Zucker“) schien das niemanden wirklich zu berühren.

Auf einmal bin ich entweder zum Vorbild mutiert oder zu einem Alien.

Ach ja.

Und so geht es immer weiter. Manchmal motiviert, manchmal routiniert, manchmal frustriert (so wie heute) und manchmal einfach eben so.

Ich muss mich echt an den Gedanken gewöhnen, dass mein Körper nicht auf einmal wieder schwerer wird. Zumindest nicht von heute auf morgen. Ich habe natürlich kleine Schwankungen, sei es wasserbedingt oder auch ein bisschen Fett, aber insgesamt geht es doch langsam weiter bergab.

Und dann gibt es solche Tage. Wah. Da hab ich einfach Hunger (so ein richtiges Loch im Bauch) und dann auch noch Appetit. Und dann rufe ich mir ins Gedächtnis:

  1. Der Körper unterliegt bestimmten Zyklen.
  2. Ich kann achtsam sein. Bewusst essen. Auch wenn es mehr ist, als ich vielleicht angestrebt hatte. Wach essen geht immer.
  3. Es sind einzelne Ausreißer.

Und meistens geht es mir dann schon etwas besser. Wobei das eher der Kopf ist. Die Erfahrung hat noch nicht so draus gelernt, die mache ich gerade erst.

Vertrauen in langfristige Prozesse, eine tiefgreifende Umstellung. Mein Erfolg kann mir nicht „über Nacht wieder weggenommen“ werden. Aber ob ihr es glaubt oder nicht – zwischendurch kommen mir solche Gedanken.

Suchtlogik.

Vor einigen Wochen traf ich durch meinen Job einen sehr netten Typen. Wir entdeckten zahlreiche Gemeinsamkeiten, wenn es um die Themen Akzeptanz von Abhängigen und übermäßige Werbung für Konsum jeglicher Art ging (vor allem Alkohol, Süßigkeiten, Essen im Allgemeinen) und hatten ein super Gespräch. Er erzählte mir von seiner alkoholabhängigen Schwester, ich führte meine Ideen zum Thema Übergewicht aus.

Ich hatte gerade das Buch „Fettlogik überwinden“ gelesen und war auf einem missionarischen Trip. Dabei möchte ich betonen, dass ich nur denjenigen in meiner Umgebung versucht habe, meine neuen Erkenntnisse aufzudrängen, die ein Mindestmaß an Interesse bekundeten 😉

Dieser Typ jedenfalls schien irre Gefallen an meinen Ausführungen gefunden zu haben – wir hatten beide das Gefühl, Dinge feststellen und sagen zu können, die sonst nicht akzeptiert sind. Ich wollte vor allem meine neuen Gedanken in Worte fassen, er berichtete mir von geschäftlichen Essen, bei denen er einfach keine Lust hatte, Alkohol zu trinken.

Irgendwann also erzählte ich von meinem Abnehmprojekt. Er sagte gleich „aber du bist doch gar nicht dick“, sein Blick fügte ein „so“ hinzu.

Ich erklärte ihm, dass ich im stark übergewichtigen Bereich liege und noch vor drei Wochen adipös war. Er ließ sich ungläubig erklären, was das überhaupt bedeutet. Ich hatte das Gefühl, er hätte mir und jeder anderen Frau gerne schon immer solche Fragen gestellt, aber sich noch nie getraut, jemanden auf das Thema Übergewicht anzusprechen.

Nachdem wir also das Thema Sucht sozusagen abgehakt hatten, plauderten wir noch. Dann fragte er mich irgendwann: „Und wieso glaubst du, hast du Übergewicht?“

Diese Frage habe ich schon immer gerne mir und auch allen anderen (bei denen das Gespräch in trockenen Tüchern war) gestellt. In diesem Moment jedoch schien es mir falsch. Wenn wir wirklich süchtig sind – und sei es auch nur nach dem falschen Verhalten – dann kann man doch gar keinen Grund anführen. Oder?

Ich stelle immer wieder fest, dass wir darauf konditioniert werden, möglichst viel, gut, lecker usw. zu essen. Außerdem überdecken viele Menschen, vor allem Frauen, ihre Gefühle mit einem Stück Schokolade oder einer deftigen Portion Pommes.

Letztens erzählten mir gleich zwei Freundinnen nacheinander, dass ihr Stoffwechsel keine Kohlenhydrate vertrage. Die eine sagte, sie könne sie nicht gut vertragen (fühle sich also unwohl nach einem Brot) und die andere sagte mir, ihr Körper könne diese gar nicht verarbeiten und speichere die KH sofort als Fett ab.

Interessanter Ansatz. Nach der Lektüre von „Fettlogik“ gehe ich eher davon aus, dass bestimmte körperliche Eigenschaften dazu führen, den Appetit der beiden Damen anzukurbeln. Und natürlich fühlt sich die Verdauung von fettigem Essen oder Brot anders an als die von Salat. Dass man anschließend mehr und schneller wieder Hunger hat, glaube ich auch. Aber die Umwandlung von KH direkt in Fett halte ich doch für sehr abenteuerlich. Ich bin keine Medizinerin, letztendlich kann es mir auch egal sein. Aber ich glaube, dass viele Leute sich und anderen nicht nur gerne Dinge erklären, sondern auch einen Grund brauchen.

Abnehmen ist schwer. 7.000 Kalorien pro Kilo Fett brauchen einfach ihre Zeit, auch bei Sport und entsprechender Ernährung.

Ich bin echt erleichtert, dass ich mich nicht mehr mit Erklärungen und Methoden beschäftigen muss – die Kosten nicht nur Nerven und Geld, sondern im Endeffekt auch mehr Zeit als konsequentes, erhliches Abnehmen.

Und um meine Psychohygiene kümmere ich mich nun trotzdem – aber eben nicht mehr auf der Ebene des Essens.

Entscheidungen.

Ich hatte als Kind nie Probleme mit meinem Gewicht. Auch in der Pubertät war ich schlank. Ich hatte immer das Gefühl, immun gegen Übergewicht zu sein, was mir später zum Verhängnis wurde. Ich habe mich auch nie mit meinem Übergewicht identifiziert, als es mal da war, was bestimmt gut war für den späteren Abnehmprozess. Ich aß gerne und auch gerne viel (vor allem bei Partys), daher nahm ich mit siebzehn ein paar Kilo zu. Bei einer Größe von 1,63 m wog ich 63 Kilo. Ich fühlte mich relativ unwohl, konnte aber erst mit achtzehn wirklich etwas dagegen tun. Ich hörte auf, die Pille zu nehmen und mein Appetit verschwand vom einen auf den anderen Tag. (Als ich das später noch mal probierte, brachte das leider nichts.)

Ich begann, viel zu trinken. Weniger Wasser, als vielmehr Eistee, Cola, andere süße Getränke, Orangensaft. Dafür aß ich wenig. Innerhalb einiger Wochen verlor ich so acht Kilo und war auf einem Stand, mit dem ich mich sehr wohl fühlte (55 kg). Ich machte Sport und hatte sogar einen „Waschbrettbauch“ (aus heutiger Sicht würde ich sagen: definiert).

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie toll ich damals das Gefühl fand, nichts zu essen. An einem Tag (den ich sehr gut erinnere) aß ich nur zwei Mandarinen und abends ein bisschen Kartoffelsalat. Dann kam der Tag, an dem ich in den Spiegel sah und mich unglaublich unattraktiv fand. Ich musste so um die 53 kg gewogen haben. Meine Brüste waren komplett verschwunden und auch der Rest meines Körpers war irgendwie flach, unpräsent.

Es begann eine Phase, in der mich das Thema Körper und Gewicht sehr genervt hat. Alle Frauen schienen irgendwie gleich auszusehen. Ich verlor irgendwie den Bezug zur Realität. Zum Glück pendelte sich dadurch mein Essverhalten wieder ein und ich hielt meine 56-58 Kilo. Damit war ich sehr zufrieden.

Dann kam ein anderer Tag, an den ich mich bis ins Detail erinnere und der wahrscheinlich jeden weiteren meiner Schritte bestimmte, was mein Essverhalten angeht. Ich saß bei einer Freundin im Garten. Es war eine Party und mir ging es sehr gut. Mein (neuer) Freund war auch da. Es war einer dieser Momente, in denen einfach alles stimmt.

Auf dem Tisch stand eine Schale mit Süßigkeiten. Ich hatte auch vorher Schokolade gegessen, manchmal eine Packung Kinder Riegel am Tag. Aber das war etwas anderes. Ich griff ganz bewusst in die Schale, obwohl ich es eigentlich nicht wollte. Nicht, weil alle anderen es taten. Nicht, weil ich das Gefühl hatte, ich müsste es tun. Ich wollte einfach mein Schicksal herausfordern. Nach dem Motto: Mir geht es doch jetzt gut, die Schokolade kann mir nichts anhaben. Und im gleichen Moment wusste ich, dass ich wieder zunehmen würde.

Vielleicht klingt das irre. Ich habe auch nicht sofort zugenommen. Aber im Laufe der nächsten vier Jahre bin ich bestimmt auf 68 kg gekommen. Es ging mal runter, dann wieder rauf. Natürlich gab es eine Million Faktoren, die wichtiger waren, als dieser Tag. Natürlich habe ich mich jedes Mal wieder entschieden, nicht darauf zu achten, was meine Finger und mein Mund tun. Dennoch weiß ich, dass es in dieser Sekunde entschieden war.

Warum? Ich glaube, ich fühlte mich angekommen. Nach dem Motto: Ist doch egal, ich muss jetzt nicht mehr perfekt sein. Was im Nachhinein nicht nur traurig, falsch und bescheuert ist. Sondern auch unsinnig. Vielleicht wollte ich auch einfach diesen perfekten Moment krönen. Und merkte gleichzeitig, dass das gar nicht nötig war.

Und was ich jetzt, nach den letzten zwei Jahren mit über 80 kg (und damit fast 30 kg Übergewicht) gelernt habe? Ich hätte mich in jedem verdammten Moment wieder umentscheiden können.

Ich will mich jetzt nicht selbst fertig machen. Hätte ich es gekonnt, hätte ich es getan. Ich habe allerdings die ganze Sache etwas mystifiziert. Und mich dann doch mit dem Übergewicht identifiziert. Das weiß ich erst seit ein paar Wochen.

Altkleider 2.0

Um die ganze Abnehm-Aktion real werden zu lassen und meine Laune noch weiter zu heben, habe ich heute eine Reihe von zu großen (!) Hosen aussortiert. Es ist echt unglaublich, dieses Spiel nun einmal in die andere Richtung zu betreiben. Mein Kleiderschrank beinhaltet tatsächlich Sachen, die mir nicht mehr passen. Nicht, weil sie zu eng oder klein geworden sind, sondern weil sie mir nun zu groß und weit sind!

Meine erste Aktion für die nächste Woche wird also eine Kleiderspende sein.

In die ersten alten Sachen passe ich nach langer Zeit wieder hinein, andere kann ich noch getrost und entspannt zur Seite legen, in dem Wissen, dass sie mir in einigen Wochen wieder passen werden. Es tut so gut, das endlich mal alles real zu spüren!

Allerdings war ich vor einigen Tagen unterwegs, um mir ein paar neue T-Shirts zu kaufen. Ich habe irgendwann völlig genervt aufgegeben. Die drei, die mir halbwegs gefallen haben, mochte ich fast nicht kaufen, weil sie mir bald zu groß sein würden. Dann habe ich sie doch mitgenommen. Das wird ja schon noch ein paar Wochen dauern. T-Shirts kann man ja fast ewig lange tragen, bei Hosen ist das schon schwieriger. Die sehen wirklich komisch aus, wenn sie zu weit sind.

Es ist wahrscheinlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich mir knappe Klamotten kaufen kann und den Gedanken „da schrumpfe ich schon noch rein“ nicht ironisch, sondern völlig ernst denke.

Sagte ich es schon? Mir geht es richtig GUT!

🙂

Alkholismus und Ess-Sucht.

Vor einiger Zeit las ich ein Buch. Es heißt „Nüchtern – Über das Trinken und das Glück“ von Daniel Schreiber.

Es geht um (Alkohol-)Sucht und den Versuch, trocken zu werden. Die Abhängigkeit zu überwinden. Und den finalen Entschluss, dem Suchtmittel keine Kontrolle mehr über das eigene Leben zu geben.

Wir werden wohl gesellschaftlich dazu erzogen, zwei Dinge zu glauben. Das eine ist: Wer vom Alkohol abhängig wird, ist im Prinzip selbst schuld. Jeder kann, wenn er es nur ganz fest will, verantwortungsvoll trinken. Und das zweite ist: Trinken gehört dazu. Partys, Geschäftsessen, was auch immer. Wenn du nicht trinkst, bist du entweder schwanger, hast bereits ein Alkoholproblem, bist ein Weichei oder ein Spaßverderber. Ach ja: Oder ein Gesundheitsfanatiker.

Ich denke, dieser Zustand ist problematisch. An sich hat das Ganze kaum etwas mit Übergewicht zu tun. Und dennoch habe ich mich irgendwie wiedergefunden.

Zum einen geht es darum, einfach aufzuwachen. Sein eigenes Verhalten, die eigene Motivation für das Verhalten zu sehen, zu hinterfragen und schließlich zu steuern.

Zum anderen ist so viel Halbwissen, Unwissen und Unverständnis unter uns verbreitet, dass es schon fast weh tut. Ich sage gar nicht, dass ich irgendetwas besser weiß als andere. Ich will nur nicht mehr so behandelt werden, als wäre das Gegenteil der Fall.