Trigger.

Ist euch schon mal aufgefallen, wie abartig die Süßigkeitenabteilungen in unseren Supermärkten eigentlich aufgebaut sind? Ich fühle mich dort permanent wie ein Kind im Schlaraffenland. Und bevor ich meine Antennen richtig ausgerichtet habe (was erst ein Jahr her ist), war ich dem permanent ausgeliefert. So wie alle anderen auch. Sie (die Süßwarenhersteller, Supermarktbetreiber und vor allem alle an der Kette beteiligten, unwissenden Mitmacher) locken uns.

Aber das wisst ihr ja alles schon. Doch habt ihr echt mal bewusst darauf geachtet?

Letztens wollte ich eine Tüte Chips kaufen. Eine einzige, die inzwischen die Ausnahme in meiner Ernährung bildet. Und allein der Anblick eines ganzen Regals hat mich überfordert: mehrere Meter Regal, da wo andere Abteilungen komplett ihren Platz haben mit allem Drum und Dran, und hier sind es nur und ausschließlich Chips. Am Ende habe ich mich doch für eine Sorte entschieden.

Dann kommen noch mal mehrere Regale mit Schokolade und Keksen in allen möglichen Formen. Ganz ehrlich, bei dieser Aufteilung ist es doch kein Wunder, wenn wir unbewusst auch den Einkauf in diesem Verhältnis aufbauen und dementsprechend unsere Ernährung. Und wie wir ja wissen, agieren wir oft unbewusst, wenn es ums Einkaufen oder Essen geht. Nur gelernte Routine scheint da wirklich zu helfen – oder eine so tiefgreifende Bewusstmachung, dass diese auch die Zeit überdauert.

Es scheint so banal, aber es ist doch so wichtig. Was wir in unseren Läden präsentieren, repräsentiert doch auch irgendwie uns.

Ach ja und zum Schluss gibt es zum Glück an der Kasse auch noch ordentlich Schokolade und Chips, man hätte ja die übergroße Abteilung aus Versehen vergessen können.

 

Langweilig, alleine, alles doof.

Es gibt so viele Gründe, um den Kühlschrank herumzutigern und das Lebensmittelregal zu durchwühlen. Es ist einfacher, wenn keiner da ist, der einen beobachtet. Und es ist schwerer, wenn niemand da ist, der einen ablenkt. Aber letztendlich kann ich es nicht auf die anderen schieben. Immer noch gehe ich ganz alleine hin und her, entscheide mich höchst persönlich dafür, Schokolade zu naschen und Lakritze zu essen.

Seit einem halben Jahr hat sich an meinem Gewicht kaum etwas verändert. Habe ich an meinem Gewicht kaum etwas verändert. Knapp noch im Übergewicht – in der Safe Zone? warte ich darauf, dass es irgendwann klick macht. Aber noch ist das nicht passiert. Ein paar mal habe ich Anlauf genommen für die letzten 10 Kilos. Oder 5. Wäre beides ok. Aber dann hat sich jedes Mal sehr deutlich mein innerer Saboteur gemeldet und wurde aktiv. Also warte ich weiter und frage mich, was es denn ist, was mich abhält. Von den letzten Schritten.

Mal sehen.

 

Pioniere gehen weiter.

Meine liebste Fettlogik war: Ich bin halt schwach. Meine Willenskraft reicht einfach nicht aus, um abzunehmen.

Dann entdeckte ich, dass es darum gar nicht geht, sondern mir vielmehr einfache Wahrheiten (und Klarheit), Wissen und letztendlich auch der Glaube an den Erfolg gefehlt haben. Durch das Buch bekam ich all das auf dem Silbertablett geliefert. Dankbar griff ich zu und an.

Dann merkte ich, dass es vor allem um Durchhaltevermögen und Geduld geht. Das sind nun wirklich nicht meine Stärken, ich bin stark am Anfang und auch gerne mal mittendrin, aber irgendwann – wenn der Funke weg ist – muss es halt laufen. Und das tat es.

So nahm ich bisher 12 Kilo ab. Wie ich bei einigen anderen gelesen habe, stagnieren viele an der Schwelle vom leichten Übergewicht zum Normalgewicht. Wirklich zunehmen ist es nicht, aber der Erfolg hält sich doch arg in Grenzen oder kommt nur in Minischritten.

Wir sind halt nicht Nadja. Das meine ich vor allem in Bezug darauf, dass sie es quasi ganz allein schaffen musste, ihre (gedachten) Grenzen auszutesten und zu überschreiten.

Wir wissen, wie und dass es geht. Der letzte Schritt wäre vernünftig, aber fühlt sich gerade einfach nicht so dringend an.

Zu sehr genieße ich gerade meinen Erfolg bis hierher, als dass ich mich selbst drängen wollen würde.

Der erste im Dorf baut die Kirche auf, die anderen basteln ihre Häuser drum herum.

(Anmerkung: Eigentlich ist das Bild mit der Kirche ziemlich falsch. Aber bevor es zu einem gesamtgesellschaftlichen Umdenken kommt, fühlt es sich erstmal so an.)

Gespräch.

„Noch mehr willst du jetzt aber nicht abnehmen, oder?“

Doch.

„Aber dann ist das ja schon krank.“

Nee, ich hab immer noch 5 Kilo Übergewicht.

„Echt? Aber…zum Idealgewicht, oder?“ (vorwurfsvoller Ton)

„Und wo willst du die haben?“

Zeige meinen Bauch.

„Das wirst du aber nicht mehr los.“

Doch.

Ach und übrigens, damals, als du mich kennengelernt hast, habe ich ungefähr 12 Kilo weniger gewogen als jetzt.

„Was?“

So ändert sich die Wahrnehmung.

Phase II.

Ich habe nun (endlich, haha) wieder etwas zugenommen. Inzwischen bin ich wieder bei knapp 72 kg, gleichzeitig freue ich mich auf die Zeit, die vor mir liegt. Es geht nämlich weiter…endlich habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich wieder motiviert bin. Sport erstmal hintenan gestellt – will heißen, ich gehe zwar ein Mal die Woche hin, denke aber erst mal nicht an eine Ausbildung.

Genau wie im Juni habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich es für mich tun will. Nicht mehr wirklich geheim, aber das ist auch nicht mehr nötig. Ich habe über einige Wochen hinweg mein Gewicht gehalten, die letzte Schwankung ist immer noch total im Rahmen und ich brauche das „Zugenommen“-Gefühl gerade einfach, um wieder anzufangen.

Ich tue es für niemanden außer für mich und es ist nichts, was mir irgendwer in irgendeiner Weise wegnehmen kann.

Das fühlt sich gut an.

Meine Umwelt sieht entweder nicht, dass ich immer noch Übergewicht habe oder behauptet einfach frech das Gegenteil. Aber es ist wichtig, dass ich es weiß und wie ich mich fühle. Ich will noch mal 10 kg leichter werden.

Das fühlt sich sehr gut an 🙂