Langweilig, alleine, alles doof.

Es gibt so viele Gründe, um den Kühlschrank herumzutigern und das Lebensmittelregal zu durchwühlen. Es ist einfacher, wenn keiner da ist, der einen beobachtet. Und es ist schwerer, wenn niemand da ist, der einen ablenkt. Aber letztendlich kann ich es nicht auf die anderen schieben. Immer noch gehe ich ganz alleine hin und her, entscheide mich höchst persönlich dafür, Schokolade zu naschen und Lakritze zu essen.

Seit einem halben Jahr hat sich an meinem Gewicht kaum etwas verändert. Habe ich an meinem Gewicht kaum etwas verändert. Knapp noch im Übergewicht – in der Safe Zone? warte ich darauf, dass es irgendwann klick macht. Aber noch ist das nicht passiert. Ein paar mal habe ich Anlauf genommen für die letzten 10 Kilos. Oder 5. Wäre beides ok. Aber dann hat sich jedes Mal sehr deutlich mein innerer Saboteur gemeldet und wurde aktiv. Also warte ich weiter und frage mich, was es denn ist, was mich abhält. Von den letzten Schritten.

Mal sehen.

 

Pioniere gehen weiter.

Meine liebste Fettlogik war: Ich bin halt schwach. Meine Willenskraft reicht einfach nicht aus, um abzunehmen.

Dann entdeckte ich, dass es darum gar nicht geht, sondern mir vielmehr einfache Wahrheiten (und Klarheit), Wissen und letztendlich auch der Glaube an den Erfolg gefehlt haben. Durch das Buch bekam ich all das auf dem Silbertablett geliefert. Dankbar griff ich zu und an.

Dann merkte ich, dass es vor allem um Durchhaltevermögen und Geduld geht. Das sind nun wirklich nicht meine Stärken, ich bin stark am Anfang und auch gerne mal mittendrin, aber irgendwann – wenn der Funke weg ist – muss es halt laufen. Und das tat es.

So nahm ich bisher 12 Kilo ab. Wie ich bei einigen anderen gelesen habe, stagnieren viele an der Schwelle vom leichten Übergewicht zum Normalgewicht. Wirklich zunehmen ist es nicht, aber der Erfolg hält sich doch arg in Grenzen oder kommt nur in Minischritten.

Wir sind halt nicht Nadja. Das meine ich vor allem in Bezug darauf, dass sie es quasi ganz allein schaffen musste, ihre (gedachten) Grenzen auszutesten und zu überschreiten.

Wir wissen, wie und dass es geht. Der letzte Schritt wäre vernünftig, aber fühlt sich gerade einfach nicht so dringend an.

Zu sehr genieße ich gerade meinen Erfolg bis hierher, als dass ich mich selbst drängen wollen würde.

Der erste im Dorf baut die Kirche auf, die anderen basteln ihre Häuser drum herum.

(Anmerkung: Eigentlich ist das Bild mit der Kirche ziemlich falsch. Aber bevor es zu einem gesamtgesellschaftlichen Umdenken kommt, fühlt es sich erstmal so an.)

Phase II.

Ich habe nun (endlich, haha) wieder etwas zugenommen. Inzwischen bin ich wieder bei knapp 72 kg, gleichzeitig freue ich mich auf die Zeit, die vor mir liegt. Es geht nämlich weiter…endlich habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich wieder motiviert bin. Sport erstmal hintenan gestellt – will heißen, ich gehe zwar ein Mal die Woche hin, denke aber erst mal nicht an eine Ausbildung.

Genau wie im Juni habe ich einen Punkt erreicht, an dem ich es für mich tun will. Nicht mehr wirklich geheim, aber das ist auch nicht mehr nötig. Ich habe über einige Wochen hinweg mein Gewicht gehalten, die letzte Schwankung ist immer noch total im Rahmen und ich brauche das „Zugenommen“-Gefühl gerade einfach, um wieder anzufangen.

Ich tue es für niemanden außer für mich und es ist nichts, was mir irgendwer in irgendeiner Weise wegnehmen kann.

Das fühlt sich gut an.

Meine Umwelt sieht entweder nicht, dass ich immer noch Übergewicht habe oder behauptet einfach frech das Gegenteil. Aber es ist wichtig, dass ich es weiß und wie ich mich fühle. Ich will noch mal 10 kg leichter werden.

Das fühlt sich sehr gut an 🙂

Sonntagsgedanken.

Letztens sprach mich eine Freundin, die mich schon länger nicht gesehen hatte, nicht auf mein Gewicht an. Später erzählte sie mir dann, dass sie nichts sagen wollte, weil sie Angst hatte, es hätte einen „schlimmen Grund“ haben können.

Lieb, wenn jemand auf die Gefühle anderer Rücksicht nimmt.

Und gleichzeitig frage ich mich: Wirke ich denn krank oder traurig? Oder ist das Tempo in der öffentlichen Wahrnehmung „unnormal?“ Ich denke, wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich innerhalb weniger Wochen 10 kg verlieren würde, wäre ich auch etwas ungläubig gewesen. Hm.

In letzter Zeit nehme ich gefühlt gar nicht mehr ab. Auf der Waage minimal. Es sind noch ein paar Kilo zum Normalgewicht und auf der anderen Seite fühle ich mich schon viel wohler. Hin und Her.

Was wirklich schlimm war, waren meine Oberschenkel. Es gibt so Dinge, über die möchte man nicht reden – nicht mal mit sich selbst. Ich hatte zum Beispiel einen Rock getragen, ohne Strumpfhose. Meine Oberschenkel rieben so stark aneinander, dass alles wund wurde. Sehr unangenehm. Und peinlich. Noch immer reiben sie heute aneinander, aber nicht mehr stark. Ich freue mich, wenn ich bald wieder „normal gehen“ kann.

So viel zum Sonntag.

Ach ja.

Und so geht es immer weiter. Manchmal motiviert, manchmal routiniert, manchmal frustriert (so wie heute) und manchmal einfach eben so.

Ich muss mich echt an den Gedanken gewöhnen, dass mein Körper nicht auf einmal wieder schwerer wird. Zumindest nicht von heute auf morgen. Ich habe natürlich kleine Schwankungen, sei es wasserbedingt oder auch ein bisschen Fett, aber insgesamt geht es doch langsam weiter bergab.

Und dann gibt es solche Tage. Wah. Da hab ich einfach Hunger (so ein richtiges Loch im Bauch) und dann auch noch Appetit. Und dann rufe ich mir ins Gedächtnis:

  1. Der Körper unterliegt bestimmten Zyklen.
  2. Ich kann achtsam sein. Bewusst essen. Auch wenn es mehr ist, als ich vielleicht angestrebt hatte. Wach essen geht immer.
  3. Es sind einzelne Ausreißer.

Und meistens geht es mir dann schon etwas besser. Wobei das eher der Kopf ist. Die Erfahrung hat noch nicht so draus gelernt, die mache ich gerade erst.

Vertrauen in langfristige Prozesse, eine tiefgreifende Umstellung. Mein Erfolg kann mir nicht „über Nacht wieder weggenommen“ werden. Aber ob ihr es glaubt oder nicht – zwischendurch kommen mir solche Gedanken.

Entscheidungen.

Ich hatte als Kind nie Probleme mit meinem Gewicht. Auch in der Pubertät war ich schlank. Ich hatte immer das Gefühl, immun gegen Übergewicht zu sein, was mir später zum Verhängnis wurde. Ich habe mich auch nie mit meinem Übergewicht identifiziert, als es mal da war, was bestimmt gut war für den späteren Abnehmprozess. Ich aß gerne und auch gerne viel (vor allem bei Partys), daher nahm ich mit siebzehn ein paar Kilo zu. Bei einer Größe von 1,63 m wog ich 63 Kilo. Ich fühlte mich relativ unwohl, konnte aber erst mit achtzehn wirklich etwas dagegen tun. Ich hörte auf, die Pille zu nehmen und mein Appetit verschwand vom einen auf den anderen Tag. (Als ich das später noch mal probierte, brachte das leider nichts.)

Ich begann, viel zu trinken. Weniger Wasser, als vielmehr Eistee, Cola, andere süße Getränke, Orangensaft. Dafür aß ich wenig. Innerhalb einiger Wochen verlor ich so acht Kilo und war auf einem Stand, mit dem ich mich sehr wohl fühlte (55 kg). Ich machte Sport und hatte sogar einen „Waschbrettbauch“ (aus heutiger Sicht würde ich sagen: definiert).

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie toll ich damals das Gefühl fand, nichts zu essen. An einem Tag (den ich sehr gut erinnere) aß ich nur zwei Mandarinen und abends ein bisschen Kartoffelsalat. Dann kam der Tag, an dem ich in den Spiegel sah und mich unglaublich unattraktiv fand. Ich musste so um die 53 kg gewogen haben. Meine Brüste waren komplett verschwunden und auch der Rest meines Körpers war irgendwie flach, unpräsent.

Es begann eine Phase, in der mich das Thema Körper und Gewicht sehr genervt hat. Alle Frauen schienen irgendwie gleich auszusehen. Ich verlor irgendwie den Bezug zur Realität. Zum Glück pendelte sich dadurch mein Essverhalten wieder ein und ich hielt meine 56-58 Kilo. Damit war ich sehr zufrieden.

Dann kam ein anderer Tag, an den ich mich bis ins Detail erinnere und der wahrscheinlich jeden weiteren meiner Schritte bestimmte, was mein Essverhalten angeht. Ich saß bei einer Freundin im Garten. Es war eine Party und mir ging es sehr gut. Mein (neuer) Freund war auch da. Es war einer dieser Momente, in denen einfach alles stimmt.

Auf dem Tisch stand eine Schale mit Süßigkeiten. Ich hatte auch vorher Schokolade gegessen, manchmal eine Packung Kinder Riegel am Tag. Aber das war etwas anderes. Ich griff ganz bewusst in die Schale, obwohl ich es eigentlich nicht wollte. Nicht, weil alle anderen es taten. Nicht, weil ich das Gefühl hatte, ich müsste es tun. Ich wollte einfach mein Schicksal herausfordern. Nach dem Motto: Mir geht es doch jetzt gut, die Schokolade kann mir nichts anhaben. Und im gleichen Moment wusste ich, dass ich wieder zunehmen würde.

Vielleicht klingt das irre. Ich habe auch nicht sofort zugenommen. Aber im Laufe der nächsten vier Jahre bin ich bestimmt auf 68 kg gekommen. Es ging mal runter, dann wieder rauf. Natürlich gab es eine Million Faktoren, die wichtiger waren, als dieser Tag. Natürlich habe ich mich jedes Mal wieder entschieden, nicht darauf zu achten, was meine Finger und mein Mund tun. Dennoch weiß ich, dass es in dieser Sekunde entschieden war.

Warum? Ich glaube, ich fühlte mich angekommen. Nach dem Motto: Ist doch egal, ich muss jetzt nicht mehr perfekt sein. Was im Nachhinein nicht nur traurig, falsch und bescheuert ist. Sondern auch unsinnig. Vielleicht wollte ich auch einfach diesen perfekten Moment krönen. Und merkte gleichzeitig, dass das gar nicht nötig war.

Und was ich jetzt, nach den letzten zwei Jahren mit über 80 kg (und damit fast 30 kg Übergewicht) gelernt habe? Ich hätte mich in jedem verdammten Moment wieder umentscheiden können.

Ich will mich jetzt nicht selbst fertig machen. Hätte ich es gekonnt, hätte ich es getan. Ich habe allerdings die ganze Sache etwas mystifiziert. Und mich dann doch mit dem Übergewicht identifiziert. Das weiß ich erst seit ein paar Wochen.