Gespräch.

„Noch mehr willst du jetzt aber nicht abnehmen, oder?“

Doch.

„Aber dann ist das ja schon krank.“

Nee, ich hab immer noch 5 Kilo Übergewicht.

„Echt? Aber…zum Idealgewicht, oder?“ (vorwurfsvoller Ton)

„Und wo willst du die haben?“

Zeige meinen Bauch.

„Das wirst du aber nicht mehr los.“

Doch.

Ach und übrigens, damals, als du mich kennengelernt hast, habe ich ungefähr 12 Kilo weniger gewogen als jetzt.

„Was?“

So ändert sich die Wahrnehmung.

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Pro und Contra.

In den letzten Wochen aß ich so ziemlich, worauf ich Lust hatte. Ich wusste, ich konnte eigentlich bloß 1-2 kg maximal zugenommen haben, aber das Wasser würde eventuell bis zu 3 oder 4 kg mehr auf der Waage anzeigen. Alle paar Tage stellte ich mich halb furchterfüllt, hab neugierig und halb mutig auf die Waage.

Ja, das waren drei Hälften. Aber fett genug für anderthalb Person fühlte ich allemal. Meine Oberschenkel waren wieder etwas dicker geworden, der Po auch. Ich machte mich darauf gefasst, ordentlich „nachbessern“ zu müssen. Und was war passiert? Fast nichts. Ich wiege immer noch – nun seit einigen Wochen – ziemlich genau 70 kg. Elf Kilo weniger seit Start im Juni.

Und langsam beginne ich mich zu fragen, warum ich nicht weiter abnehmen mag. Bis auf 65 kg will ich in den nächsten Wochen eigentlich runter, dann habe ich Normalgewicht. Mit 58 kg will ich schließlich aufhören, abzunehmen, das ist mein Zielgewicht. Darum kann dann alles plus minus 2 kg schwanken.

Ich mache also eine Pro-Contra-Liste, denn irgendwas stimmt nicht. Ich esse Kalorien zwischen 1.000 und 1.500 am Tag und sabotiere mich dann am Abend selbst, komme also locker bis zu oder gar über meinen Gesamtumsatz am Tag (von vielleicht 2.000 kcal, je nach Bewegung).

Wenn ich im Normalbereich bin, will ich regelmäßig Sport machen, denn nächstes Jahr geht meine Trainerausbildung los. Vielleicht will ich die Ausbildung machen, um dran zu bleiben. Das weiß ich noch nicht, ist aber im Moment auch ok.

Doch ich verharre auf meinen 70 kg, das sind ca. 5 Kilo Übergewicht. Obwohl ich mich nicht wohl fühle (Stichwort Oberschenkel) und auch weiß, dass ich noch nicht wirklich im gesunden Bereich angekommen bin. Ich rede mir ein, dass mich der Sport maßlos essen lässt oder ich keinen Sport machen darf, weil er meinen Appetit anregt, obwohl ich total Lust auf Sport habe. Ein Teufelskreis, der rational betrachtet gar kein Problem ist. Ich weiß, dass ich es kann. Aber scheinbar will ich nicht.

Ich mache also diese Liste…

Pro

  • besseres Körpergefühl (Oberschenkel, Bauch)
  • Gesundheit!!!
  • fitter beim Sport und im Alltag
  • leichter
  • Erfolg
  • frei für Neues
  • stabiles Gewicht ist möglich (hat schon mal über Jahre hinweg funktioniert)

Und dann mache ich mich an die Contra-Liste. Denn die Pro-Liste ist mir klar. Die sage ich mir jeden Tag auf. Aber die Contra-Liste krame ich tief hervor und muss mich überwinden, sie aufzuschreiben. Dann folgt jedes Mal ein kleiner Dialog im Innern, à la „aber das stimmt doch gar nicht“ – „na, ist aber ein reales Gefühl“ – „stell dich nicht so an“ – „Arschloch“.

Contra

  • Klamotten passen nicht mehr (hab gerade einige neue Sachen gekauft)
  • Ring zu groß (er rutscht jetzt schon und ich habe echt keine Lust, ihn wegzugeben, um ihn kleiner machen zu lassen)
  • Aufmerksamkeit nimmt noch mehr zu (naja, bisher hielt es sich echt in Maßen, aber wer weiß)
  • Mehr Gefahr, wieder zuzunehmen (ist eigentlich auch Quatsch)
  • ich und mein Körper haben keinen „Projekt“-Status mehr (aha!)
  • Sport wird ernst (Doppel-Aha!)

Interessant finde ich die letzten beiden Punkte, denn eigentlich müsste es mir ja egal sein, weiter geht es so oder so. Aber scheinbar hänge ich jetzt andere Dinge dran, die überhaupt nichts mit dem Abnehmen selbst zu tun haben. Und statt es als die Basis zu betrachten, empfinde ich es als selbstauferlegte Verantwortung, normalgewichtig (sprich dünn) zu sein.

Ich komme zu dem Schluss, dass es sich auf jeden Fall lohnt, weiterzumachen. Ich weiß nur noch nicht, wie schnell es wirklich gehen wird, sprich, ob in den nächsten Tagen jetzt alles flutscht oder ob vielleicht noch neue Contra-Punkte auftauchen.

Und dann fällt mir noch ein, dass Abschied gerade ein großes Thema ist. Vielleicht möchte ich gerade auch nur noch eine Weile an etwas festhalten…und sei es auch das blöde, ungesunde Fett. Immerhin ist es gerade ein Stück Verlässlichkeit.

Pauschales Übergewicht.

Letztens beim Kaffee mit einer Kollegin.

Sie hat, genauso wie ich, aber unabhängig von mir, abgenommen. Nun hat sie in etwa meine Statur. Ist natürlich immer schwer, das objektiv zu beurteilen, aber ich traue es mir jetzt trotzdem mal zu. Auf jeden Fall würde ich sagen, sie ist im leicht übergewichtigen Bereich.

Sie allerdings sagte irgendwann, sie wäre inzwischen „normalgewichtig“ und hätte noch ein bisschen Luft zum Übergewicht. Das erstaunte mich schon. Sie nannte mir sogar Zahlen (bei einer Körpergröße von vielleicht 1,60m liegt sie bei knapp unter 70 kg). Ganz objektiv betrachtet ist das nicht Normalgewicht. Laut BMI.

Ich sagte ihr nicht, dass ich ihr nicht glaube. Ich fragte sie nicht nach ihrem BMI. Hätte ich vielleicht machen sollen, aber letztendlich war sie so stolz und zufrieden, dass ich es nicht wagte.

Stattdessen empfahl ich ihr das Buch, das mir auch geholfen hatte. Der Titel gefiel ihr spontan.

Nun wird sie demnächst alles nachlesen und selbst entscheiden können, mit welchen Zahlen sie sich noch einmal näher befasst.

Meine einzige Erklärung für ihr „Normalgewicht“ ist diese pauschale Formel: Körpergewicht minus Meter gleich Normalgewicht. So etwas in der Art habe ich früher auch immer als Maßstab genommen.

Ich merke bloß, dass ich den Leuten ihren Erfolg nicht kaputt machen will, auch wenn es vielleicht besser gewesen wäre, die Frage „wo beginnt Übergewicht“ noch einmal anzusprechen.

Wie hast du das gemacht?

„Wow, was ist denn mit dir passiert? Du bist ja nur noch die Hälfte!“ Ja, das geht runter wie Öl. Und dann: „Wie hast du das gemacht?“

„Und wie geht es dir so? Und sag mal, wie bist du eigentlich deine Pfunde losgeworden?“

„Also ich kann mir ja gar nicht vorstellen, auf so vieles zu verzichten.“

Es wird langsam mühselig. Ich erzähle von diesem tollen Buch, das ich gelesen habe. Ich beschreibe, wie ich an diesem Punkt war, an dem ich einfach nicht mehr weiter zunehmen wollte. Verschweige, dass es dann noch fast zwei Jahre gedauert hat, bis ich wirklich Erfolge erzielt habe.Aber ich kann ja nicht schon wieder von dem Buch anfangen. Oder?

Ich rede von meiner App, mit der ich mich durch den Alltag bewege und weiterhin total faul sein kann – was kochen und auch Sport angeht. Wobei ich eigentlich ganz gerne zum Sport gehe. Aber darum geht es eben nicht. Ich beschreibe, dass ich nun weiß, was wo drin steckt und wo ich die „Fallen“ sehe. Wie frustrierend es ist, sich gesund zu ernähren, auf vieles zu verzichten – um dann doch auf dem gleichen Gewicht hängen zu bleiben, weil man eben zum Beispiel mit Nüssen und Olivenöl ein bisschen aufpassen sollte.

Dann kommen die Gegenargumente.

Also bei mir würde das nicht funktionieren. Ist das nicht anstrengend? Ich brauche Brot und Kohlenhydrate. Ich mache das so und so.

Ja, ist mir egal. Ich habe das Gespräch ja nicht begonnen. Und sorry, aber bei mir funktioniert es halt. Du wirst dich dagegen wahrscheinlich noch weiter im Kreis drehen. Ich kann dir nur sagen, was für mich in meiner bestimmten Situation gepasst hat. Ich muss dir nicht alles erklären, aber ich versuche es gerne. Wenn ich dann auf deine Wiederstände stoße – ist ok. Sorry, aber so ist es.

Bin ja schließlich nicht für alle verantwortlich. Ich habe das Abnehmen nicht erfunden. Und letztlich: Frag mich nicht, wie ich es gemacht habe, wenn du es eh nicht hören willst!

Argh.

Wunsch-, Traum- oder Normalgewicht?

Woran macht ihr eigentich fest, wo ihr hinwollt?

Ich setze mir Ziele in mehreren Etappen, so dass ich zum einen Erfolge feiern kann und zum anderen weiß, dass ich am Ende in einem gesunden Bereich lande und mich wohl fühle. Dabei hilft auch die Erinnerung an die Zeit, als ich mein Zielgewicht schon hatte. Einzig bei der Zeit variiere ich. Je mehr Gewicht ich verliere, desto langsamer geht es weiter.

Aber das ist ok, solange die Tendenz nach unten stimmt.

Es kostet halt auch Energie, auf Energie zu verzichten. Zumindest mental.

Freunde. Freunde?

Das Wochenende ist irgendwie immer ein bisschen anders als die Tage unter der Woche. Es gibt meist irgendwelche Verabredungen, bei denen oft gegessen und noch öfter etwas getrunken wird.

Wenn ich mal ein Stück Kuchen esse oder eine zuckerhaltige Limonade trinke (letztens hatte ich auch ein Eis), dann werde ich in letzter Zeit komisch angeguckt. So nach dem Motto: Willst du das wirklich? Ich dachte, du nimmst so etwas jetzt nicht mehr zu dir. Und dann auch ausdrücklich gefragt, in allen drei Fällen.

In Wahrheit nehme ich Süßkram jetzt auch seltener (und in viel kleineren Mengen) zu mir. Und paradoxerweise auch öffentlicher. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich früher niemand darum geschert hat, was ich esse und trinke. Und ich selbst wohl auch nicht. Seit ich allerdings (sichtbar) abnehme, denken die Leute, ich verzichte auf alles. Was ich nicht tue. Natürlich gibt es Tage, an denen ich praktisch nur Obst, Gemüse und Proteine zu mir nehme. Ich bin auch umgestiegen auf zuckerfreie, süßstoffhaltige Getränke, da ich nicht immer nur Wasser trinken mag. Aber gerade am Wochenende genieße ich auch „ungesundes, unnützes Zeug“. Nur halt in Maßen und bewusst.

In letzter Zeit fühle ich mich so beobachtet. Früher schien es niemanden interessiert zu haben, was, wann und wie viel ich esse. Selbst mit Ankündigungen (à la „ich verzichte gerade auf Zucker“) schien das niemanden wirklich zu berühren.

Auf einmal bin ich entweder zum Vorbild mutiert oder zu einem Alien.

Suchtlogik.

Vor einigen Wochen traf ich durch meinen Job einen sehr netten Typen. Wir entdeckten zahlreiche Gemeinsamkeiten, wenn es um die Themen Akzeptanz von Abhängigen und übermäßige Werbung für Konsum jeglicher Art ging (vor allem Alkohol, Süßigkeiten, Essen im Allgemeinen) und hatten ein super Gespräch. Er erzählte mir von seiner alkoholabhängigen Schwester, ich führte meine Ideen zum Thema Übergewicht aus.

Ich hatte gerade das Buch „Fettlogik überwinden“ gelesen und war auf einem missionarischen Trip. Dabei möchte ich betonen, dass ich nur denjenigen in meiner Umgebung versucht habe, meine neuen Erkenntnisse aufzudrängen, die ein Mindestmaß an Interesse bekundeten 😉

Dieser Typ jedenfalls schien irre Gefallen an meinen Ausführungen gefunden zu haben – wir hatten beide das Gefühl, Dinge feststellen und sagen zu können, die sonst nicht akzeptiert sind. Ich wollte vor allem meine neuen Gedanken in Worte fassen, er berichtete mir von geschäftlichen Essen, bei denen er einfach keine Lust hatte, Alkohol zu trinken.

Irgendwann also erzählte ich von meinem Abnehmprojekt. Er sagte gleich „aber du bist doch gar nicht dick“, sein Blick fügte ein „so“ hinzu.

Ich erklärte ihm, dass ich im stark übergewichtigen Bereich liege und noch vor drei Wochen adipös war. Er ließ sich ungläubig erklären, was das überhaupt bedeutet. Ich hatte das Gefühl, er hätte mir und jeder anderen Frau gerne schon immer solche Fragen gestellt, aber sich noch nie getraut, jemanden auf das Thema Übergewicht anzusprechen.

Nachdem wir also das Thema Sucht sozusagen abgehakt hatten, plauderten wir noch. Dann fragte er mich irgendwann: „Und wieso glaubst du, hast du Übergewicht?“

Diese Frage habe ich schon immer gerne mir und auch allen anderen (bei denen das Gespräch in trockenen Tüchern war) gestellt. In diesem Moment jedoch schien es mir falsch. Wenn wir wirklich süchtig sind – und sei es auch nur nach dem falschen Verhalten – dann kann man doch gar keinen Grund anführen. Oder?

Ich stelle immer wieder fest, dass wir darauf konditioniert werden, möglichst viel, gut, lecker usw. zu essen. Außerdem überdecken viele Menschen, vor allem Frauen, ihre Gefühle mit einem Stück Schokolade oder einer deftigen Portion Pommes.

Letztens erzählten mir gleich zwei Freundinnen nacheinander, dass ihr Stoffwechsel keine Kohlenhydrate vertrage. Die eine sagte, sie könne sie nicht gut vertragen (fühle sich also unwohl nach einem Brot) und die andere sagte mir, ihr Körper könne diese gar nicht verarbeiten und speichere die KH sofort als Fett ab.

Interessanter Ansatz. Nach der Lektüre von „Fettlogik“ gehe ich eher davon aus, dass bestimmte körperliche Eigenschaften dazu führen, den Appetit der beiden Damen anzukurbeln. Und natürlich fühlt sich die Verdauung von fettigem Essen oder Brot anders an als die von Salat. Dass man anschließend mehr und schneller wieder Hunger hat, glaube ich auch. Aber die Umwandlung von KH direkt in Fett halte ich doch für sehr abenteuerlich. Ich bin keine Medizinerin, letztendlich kann es mir auch egal sein. Aber ich glaube, dass viele Leute sich und anderen nicht nur gerne Dinge erklären, sondern auch einen Grund brauchen.

Abnehmen ist schwer. 7.000 Kalorien pro Kilo Fett brauchen einfach ihre Zeit, auch bei Sport und entsprechender Ernährung.

Ich bin echt erleichtert, dass ich mich nicht mehr mit Erklärungen und Methoden beschäftigen muss – die Kosten nicht nur Nerven und Geld, sondern im Endeffekt auch mehr Zeit als konsequentes, erhliches Abnehmen.

Und um meine Psychohygiene kümmere ich mich nun trotzdem – aber eben nicht mehr auf der Ebene des Essens.