Trigger.

Ist euch schon mal aufgefallen, wie abartig die Süßigkeitenabteilungen in unseren Supermärkten eigentlich aufgebaut sind? Ich fühle mich dort permanent wie ein Kind im Schlaraffenland. Und bevor ich meine Antennen richtig ausgerichtet habe (was erst ein Jahr her ist), war ich dem permanent ausgeliefert. So wie alle anderen auch. Sie (die Süßwarenhersteller, Supermarktbetreiber und vor allem alle an der Kette beteiligten, unwissenden Mitmacher) locken uns.

Aber das wisst ihr ja alles schon. Doch habt ihr echt mal bewusst darauf geachtet?

Letztens wollte ich eine Tüte Chips kaufen. Eine einzige, die inzwischen die Ausnahme in meiner Ernährung bildet. Und allein der Anblick eines ganzen Regals hat mich überfordert: mehrere Meter Regal, da wo andere Abteilungen komplett ihren Platz haben mit allem Drum und Dran, und hier sind es nur und ausschließlich Chips. Am Ende habe ich mich doch für eine Sorte entschieden.

Dann kommen noch mal mehrere Regale mit Schokolade und Keksen in allen möglichen Formen. Ganz ehrlich, bei dieser Aufteilung ist es doch kein Wunder, wenn wir unbewusst auch den Einkauf in diesem Verhältnis aufbauen und dementsprechend unsere Ernährung. Und wie wir ja wissen, agieren wir oft unbewusst, wenn es ums Einkaufen oder Essen geht. Nur gelernte Routine scheint da wirklich zu helfen – oder eine so tiefgreifende Bewusstmachung, dass diese auch die Zeit überdauert.

Es scheint so banal, aber es ist doch so wichtig. Was wir in unseren Läden präsentieren, repräsentiert doch auch irgendwie uns.

Ach ja und zum Schluss gibt es zum Glück an der Kasse auch noch ordentlich Schokolade und Chips, man hätte ja die übergroße Abteilung aus Versehen vergessen können.

 

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Gespräch.

„Noch mehr willst du jetzt aber nicht abnehmen, oder?“

Doch.

„Aber dann ist das ja schon krank.“

Nee, ich hab immer noch 5 Kilo Übergewicht.

„Echt? Aber…zum Idealgewicht, oder?“ (vorwurfsvoller Ton)

„Und wo willst du die haben?“

Zeige meinen Bauch.

„Das wirst du aber nicht mehr los.“

Doch.

Ach und übrigens, damals, als du mich kennengelernt hast, habe ich ungefähr 12 Kilo weniger gewogen als jetzt.

„Was?“

So ändert sich die Wahrnehmung.

Pro und Contra.

In den letzten Wochen aß ich so ziemlich, worauf ich Lust hatte. Ich wusste, ich konnte eigentlich bloß 1-2 kg maximal zugenommen haben, aber das Wasser würde eventuell bis zu 3 oder 4 kg mehr auf der Waage anzeigen. Alle paar Tage stellte ich mich halb furchterfüllt, hab neugierig und halb mutig auf die Waage.

Ja, das waren drei Hälften. Aber fett genug für anderthalb Person fühlte ich allemal. Meine Oberschenkel waren wieder etwas dicker geworden, der Po auch. Ich machte mich darauf gefasst, ordentlich „nachbessern“ zu müssen. Und was war passiert? Fast nichts. Ich wiege immer noch – nun seit einigen Wochen – ziemlich genau 70 kg. Elf Kilo weniger seit Start im Juni.

Und langsam beginne ich mich zu fragen, warum ich nicht weiter abnehmen mag. Bis auf 65 kg will ich in den nächsten Wochen eigentlich runter, dann habe ich Normalgewicht. Mit 58 kg will ich schließlich aufhören, abzunehmen, das ist mein Zielgewicht. Darum kann dann alles plus minus 2 kg schwanken.

Ich mache also eine Pro-Contra-Liste, denn irgendwas stimmt nicht. Ich esse Kalorien zwischen 1.000 und 1.500 am Tag und sabotiere mich dann am Abend selbst, komme also locker bis zu oder gar über meinen Gesamtumsatz am Tag (von vielleicht 2.000 kcal, je nach Bewegung).

Wenn ich im Normalbereich bin, will ich regelmäßig Sport machen, denn nächstes Jahr geht meine Trainerausbildung los. Vielleicht will ich die Ausbildung machen, um dran zu bleiben. Das weiß ich noch nicht, ist aber im Moment auch ok.

Doch ich verharre auf meinen 70 kg, das sind ca. 5 Kilo Übergewicht. Obwohl ich mich nicht wohl fühle (Stichwort Oberschenkel) und auch weiß, dass ich noch nicht wirklich im gesunden Bereich angekommen bin. Ich rede mir ein, dass mich der Sport maßlos essen lässt oder ich keinen Sport machen darf, weil er meinen Appetit anregt, obwohl ich total Lust auf Sport habe. Ein Teufelskreis, der rational betrachtet gar kein Problem ist. Ich weiß, dass ich es kann. Aber scheinbar will ich nicht.

Ich mache also diese Liste…

Pro

  • besseres Körpergefühl (Oberschenkel, Bauch)
  • Gesundheit!!!
  • fitter beim Sport und im Alltag
  • leichter
  • Erfolg
  • frei für Neues
  • stabiles Gewicht ist möglich (hat schon mal über Jahre hinweg funktioniert)

Und dann mache ich mich an die Contra-Liste. Denn die Pro-Liste ist mir klar. Die sage ich mir jeden Tag auf. Aber die Contra-Liste krame ich tief hervor und muss mich überwinden, sie aufzuschreiben. Dann folgt jedes Mal ein kleiner Dialog im Innern, à la „aber das stimmt doch gar nicht“ – „na, ist aber ein reales Gefühl“ – „stell dich nicht so an“ – „Arschloch“.

Contra

  • Klamotten passen nicht mehr (hab gerade einige neue Sachen gekauft)
  • Ring zu groß (er rutscht jetzt schon und ich habe echt keine Lust, ihn wegzugeben, um ihn kleiner machen zu lassen)
  • Aufmerksamkeit nimmt noch mehr zu (naja, bisher hielt es sich echt in Maßen, aber wer weiß)
  • Mehr Gefahr, wieder zuzunehmen (ist eigentlich auch Quatsch)
  • ich und mein Körper haben keinen „Projekt“-Status mehr (aha!)
  • Sport wird ernst (Doppel-Aha!)

Interessant finde ich die letzten beiden Punkte, denn eigentlich müsste es mir ja egal sein, weiter geht es so oder so. Aber scheinbar hänge ich jetzt andere Dinge dran, die überhaupt nichts mit dem Abnehmen selbst zu tun haben. Und statt es als die Basis zu betrachten, empfinde ich es als selbstauferlegte Verantwortung, normalgewichtig (sprich dünn) zu sein.

Ich komme zu dem Schluss, dass es sich auf jeden Fall lohnt, weiterzumachen. Ich weiß nur noch nicht, wie schnell es wirklich gehen wird, sprich, ob in den nächsten Tagen jetzt alles flutscht oder ob vielleicht noch neue Contra-Punkte auftauchen.

Und dann fällt mir noch ein, dass Abschied gerade ein großes Thema ist. Vielleicht möchte ich gerade auch nur noch eine Weile an etwas festhalten…und sei es auch das blöde, ungesunde Fett. Immerhin ist es gerade ein Stück Verlässlichkeit.

Pauschales Übergewicht.

Letztens beim Kaffee mit einer Kollegin.

Sie hat, genauso wie ich, aber unabhängig von mir, abgenommen. Nun hat sie in etwa meine Statur. Ist natürlich immer schwer, das objektiv zu beurteilen, aber ich traue es mir jetzt trotzdem mal zu. Auf jeden Fall würde ich sagen, sie ist im leicht übergewichtigen Bereich.

Sie allerdings sagte irgendwann, sie wäre inzwischen „normalgewichtig“ und hätte noch ein bisschen Luft zum Übergewicht. Das erstaunte mich schon. Sie nannte mir sogar Zahlen (bei einer Körpergröße von vielleicht 1,60m liegt sie bei knapp unter 70 kg). Ganz objektiv betrachtet ist das nicht Normalgewicht. Laut BMI.

Ich sagte ihr nicht, dass ich ihr nicht glaube. Ich fragte sie nicht nach ihrem BMI. Hätte ich vielleicht machen sollen, aber letztendlich war sie so stolz und zufrieden, dass ich es nicht wagte.

Stattdessen empfahl ich ihr das Buch, das mir auch geholfen hatte. Der Titel gefiel ihr spontan.

Nun wird sie demnächst alles nachlesen und selbst entscheiden können, mit welchen Zahlen sie sich noch einmal näher befasst.

Meine einzige Erklärung für ihr „Normalgewicht“ ist diese pauschale Formel: Körpergewicht minus Meter gleich Normalgewicht. So etwas in der Art habe ich früher auch immer als Maßstab genommen.

Ich merke bloß, dass ich den Leuten ihren Erfolg nicht kaputt machen will, auch wenn es vielleicht besser gewesen wäre, die Frage „wo beginnt Übergewicht“ noch einmal anzusprechen.

Wie hast du das gemacht?

„Wow, was ist denn mit dir passiert? Du bist ja nur noch die Hälfte!“ Ja, das geht runter wie Öl. Und dann: „Wie hast du das gemacht?“

„Und wie geht es dir so? Und sag mal, wie bist du eigentlich deine Pfunde losgeworden?“

„Also ich kann mir ja gar nicht vorstellen, auf so vieles zu verzichten.“

Es wird langsam mühselig. Ich erzähle von diesem tollen Buch, das ich gelesen habe. Ich beschreibe, wie ich an diesem Punkt war, an dem ich einfach nicht mehr weiter zunehmen wollte. Verschweige, dass es dann noch fast zwei Jahre gedauert hat, bis ich wirklich Erfolge erzielt habe.Aber ich kann ja nicht schon wieder von dem Buch anfangen. Oder?

Ich rede von meiner App, mit der ich mich durch den Alltag bewege und weiterhin total faul sein kann – was kochen und auch Sport angeht. Wobei ich eigentlich ganz gerne zum Sport gehe. Aber darum geht es eben nicht. Ich beschreibe, dass ich nun weiß, was wo drin steckt und wo ich die „Fallen“ sehe. Wie frustrierend es ist, sich gesund zu ernähren, auf vieles zu verzichten – um dann doch auf dem gleichen Gewicht hängen zu bleiben, weil man eben zum Beispiel mit Nüssen und Olivenöl ein bisschen aufpassen sollte.

Dann kommen die Gegenargumente.

Also bei mir würde das nicht funktionieren. Ist das nicht anstrengend? Ich brauche Brot und Kohlenhydrate. Ich mache das so und so.

Ja, ist mir egal. Ich habe das Gespräch ja nicht begonnen. Und sorry, aber bei mir funktioniert es halt. Du wirst dich dagegen wahrscheinlich noch weiter im Kreis drehen. Ich kann dir nur sagen, was für mich in meiner bestimmten Situation gepasst hat. Ich muss dir nicht alles erklären, aber ich versuche es gerne. Wenn ich dann auf deine Wiederstände stoße – ist ok. Sorry, aber so ist es.

Bin ja schließlich nicht für alle verantwortlich. Ich habe das Abnehmen nicht erfunden. Und letztlich: Frag mich nicht, wie ich es gemacht habe, wenn du es eh nicht hören willst!

Argh.

Entscheidungen.

Ich hatte als Kind nie Probleme mit meinem Gewicht. Auch in der Pubertät war ich schlank. Ich hatte immer das Gefühl, immun gegen Übergewicht zu sein, was mir später zum Verhängnis wurde. Ich habe mich auch nie mit meinem Übergewicht identifiziert, als es mal da war, was bestimmt gut war für den späteren Abnehmprozess. Ich aß gerne und auch gerne viel (vor allem bei Partys), daher nahm ich mit siebzehn ein paar Kilo zu. Bei einer Größe von 1,63 m wog ich 63 Kilo. Ich fühlte mich relativ unwohl, konnte aber erst mit achtzehn wirklich etwas dagegen tun. Ich hörte auf, die Pille zu nehmen und mein Appetit verschwand vom einen auf den anderen Tag. (Als ich das später noch mal probierte, brachte das leider nichts.)

Ich begann, viel zu trinken. Weniger Wasser, als vielmehr Eistee, Cola, andere süße Getränke, Orangensaft. Dafür aß ich wenig. Innerhalb einiger Wochen verlor ich so acht Kilo und war auf einem Stand, mit dem ich mich sehr wohl fühlte (55 kg). Ich machte Sport und hatte sogar einen „Waschbrettbauch“ (aus heutiger Sicht würde ich sagen: definiert).

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie toll ich damals das Gefühl fand, nichts zu essen. An einem Tag (den ich sehr gut erinnere) aß ich nur zwei Mandarinen und abends ein bisschen Kartoffelsalat. Dann kam der Tag, an dem ich in den Spiegel sah und mich unglaublich unattraktiv fand. Ich musste so um die 53 kg gewogen haben. Meine Brüste waren komplett verschwunden und auch der Rest meines Körpers war irgendwie flach, unpräsent.

Es begann eine Phase, in der mich das Thema Körper und Gewicht sehr genervt hat. Alle Frauen schienen irgendwie gleich auszusehen. Ich verlor irgendwie den Bezug zur Realität. Zum Glück pendelte sich dadurch mein Essverhalten wieder ein und ich hielt meine 56-58 Kilo. Damit war ich sehr zufrieden.

Dann kam ein anderer Tag, an den ich mich bis ins Detail erinnere und der wahrscheinlich jeden weiteren meiner Schritte bestimmte, was mein Essverhalten angeht. Ich saß bei einer Freundin im Garten. Es war eine Party und mir ging es sehr gut. Mein (neuer) Freund war auch da. Es war einer dieser Momente, in denen einfach alles stimmt.

Auf dem Tisch stand eine Schale mit Süßigkeiten. Ich hatte auch vorher Schokolade gegessen, manchmal eine Packung Kinder Riegel am Tag. Aber das war etwas anderes. Ich griff ganz bewusst in die Schale, obwohl ich es eigentlich nicht wollte. Nicht, weil alle anderen es taten. Nicht, weil ich das Gefühl hatte, ich müsste es tun. Ich wollte einfach mein Schicksal herausfordern. Nach dem Motto: Mir geht es doch jetzt gut, die Schokolade kann mir nichts anhaben. Und im gleichen Moment wusste ich, dass ich wieder zunehmen würde.

Vielleicht klingt das irre. Ich habe auch nicht sofort zugenommen. Aber im Laufe der nächsten vier Jahre bin ich bestimmt auf 68 kg gekommen. Es ging mal runter, dann wieder rauf. Natürlich gab es eine Million Faktoren, die wichtiger waren, als dieser Tag. Natürlich habe ich mich jedes Mal wieder entschieden, nicht darauf zu achten, was meine Finger und mein Mund tun. Dennoch weiß ich, dass es in dieser Sekunde entschieden war.

Warum? Ich glaube, ich fühlte mich angekommen. Nach dem Motto: Ist doch egal, ich muss jetzt nicht mehr perfekt sein. Was im Nachhinein nicht nur traurig, falsch und bescheuert ist. Sondern auch unsinnig. Vielleicht wollte ich auch einfach diesen perfekten Moment krönen. Und merkte gleichzeitig, dass das gar nicht nötig war.

Und was ich jetzt, nach den letzten zwei Jahren mit über 80 kg (und damit fast 30 kg Übergewicht) gelernt habe? Ich hätte mich in jedem verdammten Moment wieder umentscheiden können.

Ich will mich jetzt nicht selbst fertig machen. Hätte ich es gekonnt, hätte ich es getan. Ich habe allerdings die ganze Sache etwas mystifiziert. Und mich dann doch mit dem Übergewicht identifiziert. Das weiß ich erst seit ein paar Wochen.

Unwohl.

Es ist schon merkwürdig. Jetzt, wo ich in zwei Monaten beinahe 8 Kilo abgenommen habe, fühle ich mich sehr unwohl in meinem Körper. Obwohl rein objektiv alles besser aussieht und mich weniger Fettmasse behindert, sehe ich sie nun überdeutlich.

Das führt teilweise dazu, dass das Tempo langsamer wird. Teilweise habe ich aber auch einfach keine Lust, mich um mein Essen zu kümmern und esse dann bis an meine „Grenze“ der erlaubten Menge. Echt doof alles. Vor allem komme ich mir so undankbar und scheinheilig vor, weil ich ja eigentlich Erfolg habe.

Ehrlicherweise habe ich aber auch ansonsten in meinem Leben das Gefühl, etwas zu stagnieren. Wirkt sich immer gegenseitig aus. Habe auch keine Lust aufs Schreiben, aber ich halte es für wichtig.