Pro und Contra.

In den letzten Wochen aß ich so ziemlich, worauf ich Lust hatte. Ich wusste, ich konnte eigentlich bloß 1-2 kg maximal zugenommen haben, aber das Wasser würde eventuell bis zu 3 oder 4 kg mehr auf der Waage anzeigen. Alle paar Tage stellte ich mich halb furchterfüllt, hab neugierig und halb mutig auf die Waage.

Ja, das waren drei Hälften. Aber fett genug für anderthalb Person fühlte ich allemal. Meine Oberschenkel waren wieder etwas dicker geworden, der Po auch. Ich machte mich darauf gefasst, ordentlich „nachbessern“ zu müssen. Und was war passiert? Fast nichts. Ich wiege immer noch – nun seit einigen Wochen – ziemlich genau 70 kg. Elf Kilo weniger seit Start im Juni.

Und langsam beginne ich mich zu fragen, warum ich nicht weiter abnehmen mag. Bis auf 65 kg will ich in den nächsten Wochen eigentlich runter, dann habe ich Normalgewicht. Mit 58 kg will ich schließlich aufhören, abzunehmen, das ist mein Zielgewicht. Darum kann dann alles plus minus 2 kg schwanken.

Ich mache also eine Pro-Contra-Liste, denn irgendwas stimmt nicht. Ich esse Kalorien zwischen 1.000 und 1.500 am Tag und sabotiere mich dann am Abend selbst, komme also locker bis zu oder gar über meinen Gesamtumsatz am Tag (von vielleicht 2.000 kcal, je nach Bewegung).

Wenn ich im Normalbereich bin, will ich regelmäßig Sport machen, denn nächstes Jahr geht meine Trainerausbildung los. Vielleicht will ich die Ausbildung machen, um dran zu bleiben. Das weiß ich noch nicht, ist aber im Moment auch ok.

Doch ich verharre auf meinen 70 kg, das sind ca. 5 Kilo Übergewicht. Obwohl ich mich nicht wohl fühle (Stichwort Oberschenkel) und auch weiß, dass ich noch nicht wirklich im gesunden Bereich angekommen bin. Ich rede mir ein, dass mich der Sport maßlos essen lässt oder ich keinen Sport machen darf, weil er meinen Appetit anregt, obwohl ich total Lust auf Sport habe. Ein Teufelskreis, der rational betrachtet gar kein Problem ist. Ich weiß, dass ich es kann. Aber scheinbar will ich nicht.

Ich mache also diese Liste…

Pro

  • besseres Körpergefühl (Oberschenkel, Bauch)
  • Gesundheit!!!
  • fitter beim Sport und im Alltag
  • leichter
  • Erfolg
  • frei für Neues
  • stabiles Gewicht ist möglich (hat schon mal über Jahre hinweg funktioniert)

Und dann mache ich mich an die Contra-Liste. Denn die Pro-Liste ist mir klar. Die sage ich mir jeden Tag auf. Aber die Contra-Liste krame ich tief hervor und muss mich überwinden, sie aufzuschreiben. Dann folgt jedes Mal ein kleiner Dialog im Innern, à la „aber das stimmt doch gar nicht“ – „na, ist aber ein reales Gefühl“ – „stell dich nicht so an“ – „Arschloch“.

Contra

  • Klamotten passen nicht mehr (hab gerade einige neue Sachen gekauft)
  • Ring zu groß (er rutscht jetzt schon und ich habe echt keine Lust, ihn wegzugeben, um ihn kleiner machen zu lassen)
  • Aufmerksamkeit nimmt noch mehr zu (naja, bisher hielt es sich echt in Maßen, aber wer weiß)
  • Mehr Gefahr, wieder zuzunehmen (ist eigentlich auch Quatsch)
  • ich und mein Körper haben keinen „Projekt“-Status mehr (aha!)
  • Sport wird ernst (Doppel-Aha!)

Interessant finde ich die letzten beiden Punkte, denn eigentlich müsste es mir ja egal sein, weiter geht es so oder so. Aber scheinbar hänge ich jetzt andere Dinge dran, die überhaupt nichts mit dem Abnehmen selbst zu tun haben. Und statt es als die Basis zu betrachten, empfinde ich es als selbstauferlegte Verantwortung, normalgewichtig (sprich dünn) zu sein.

Ich komme zu dem Schluss, dass es sich auf jeden Fall lohnt, weiterzumachen. Ich weiß nur noch nicht, wie schnell es wirklich gehen wird, sprich, ob in den nächsten Tagen jetzt alles flutscht oder ob vielleicht noch neue Contra-Punkte auftauchen.

Und dann fällt mir noch ein, dass Abschied gerade ein großes Thema ist. Vielleicht möchte ich gerade auch nur noch eine Weile an etwas festhalten…und sei es auch das blöde, ungesunde Fett. Immerhin ist es gerade ein Stück Verlässlichkeit.

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Pauschales Übergewicht.

Letztens beim Kaffee mit einer Kollegin.

Sie hat, genauso wie ich, aber unabhängig von mir, abgenommen. Nun hat sie in etwa meine Statur. Ist natürlich immer schwer, das objektiv zu beurteilen, aber ich traue es mir jetzt trotzdem mal zu. Auf jeden Fall würde ich sagen, sie ist im leicht übergewichtigen Bereich.

Sie allerdings sagte irgendwann, sie wäre inzwischen „normalgewichtig“ und hätte noch ein bisschen Luft zum Übergewicht. Das erstaunte mich schon. Sie nannte mir sogar Zahlen (bei einer Körpergröße von vielleicht 1,60m liegt sie bei knapp unter 70 kg). Ganz objektiv betrachtet ist das nicht Normalgewicht. Laut BMI.

Ich sagte ihr nicht, dass ich ihr nicht glaube. Ich fragte sie nicht nach ihrem BMI. Hätte ich vielleicht machen sollen, aber letztendlich war sie so stolz und zufrieden, dass ich es nicht wagte.

Stattdessen empfahl ich ihr das Buch, das mir auch geholfen hatte. Der Titel gefiel ihr spontan.

Nun wird sie demnächst alles nachlesen und selbst entscheiden können, mit welchen Zahlen sie sich noch einmal näher befasst.

Meine einzige Erklärung für ihr „Normalgewicht“ ist diese pauschale Formel: Körpergewicht minus Meter gleich Normalgewicht. So etwas in der Art habe ich früher auch immer als Maßstab genommen.

Ich merke bloß, dass ich den Leuten ihren Erfolg nicht kaputt machen will, auch wenn es vielleicht besser gewesen wäre, die Frage „wo beginnt Übergewicht“ noch einmal anzusprechen.

Held.

Ich bin so stolz auf dich, dass ich platzen könnte. Ein Lächeln schleicht sich über mein Gesicht.

Ja genau. Da, wo früher Tränen gekullert sind! Und nun sehe ich dein Bild in der Zeitung und vermisse dich gar nicht. Sondern bin froh, zu sehen dass es dir gut geht. Und wahnsinnig stolz auf deine kleinen und großen Taten.

Wir werden wohl erwachsen. Du und ich.

Vorbild.

Was mir nur ganz langsam klar wird: ich bin jetzt auch eines.

Vielleicht war ich das auch vorher schon mal, für den einen oder anderen, in der einen oder anderen Situation. Aber jetzt fällt es mir wirklich auf!

Letztens zum Beispiel hat eine Freundin meinen „Nagellack kopiert“. Das mag jetzt vielleicht etwas komisch klingen…war aber so. Sie hat meinen neuen, ultimativ wunderschönen Nagellack einfach nachgekauft. Ich war irritiert, ein bisschen wütend sogar. Bis mir klar wurde: Hey, ich bin ihr Vorbild!
Noch nie hat jemand bewusst etwas nachgemacht, was ich vorgelebt habe!

Und das geht natürlich beim Gewicht weiter. Das ist absolut ausbaufähig.

Und so komme ich auch immer besser damit klar, wenn jeder seinen eigenen Weg findet, statt es genau so zu machen, wie es für mich funktioniert hat…und dazu eben auch genau so lange braucht, wie es nun mal dauert.

Mein Körper.

Wie fremdegesteuert, und das war gut so.

Gleichzeitig, als ob ich das erste Mal wirklich sehen würde.

Bewusst und irgendwie auch militant.

Jetzt, mit Abstand betrachtet. Das war mein Prozess der letzten Monate.

10 KG. Was für ein Erfolg!!!

Endlich bereit, ihn zu feiern.

Endlich bereit, es anzunehmen. In und mit meinem Körper.

Zeit, weiterzumachen.

Und Zeit, etwas anders zu machen und genau so weiterzumachen.

Nächstes Jahr will ich eine Trainerausbildung starten. Sport unterrichten.

Wahnsinn? Wahnsinn! Ich! Ausgerechnet.

Und lange hat mich nichts mehr so motiviert und zum Glühen gebracht wie dieser Gedanke. Diese Idee.

Heute habe ich schon mal vorgefühlt und es fühlte sich gut an.

Ich grinse ganz breit.

Sonntagsgedanken.

Letztens sprach mich eine Freundin, die mich schon länger nicht gesehen hatte, nicht auf mein Gewicht an. Später erzählte sie mir dann, dass sie nichts sagen wollte, weil sie Angst hatte, es hätte einen „schlimmen Grund“ haben können.

Lieb, wenn jemand auf die Gefühle anderer Rücksicht nimmt.

Und gleichzeitig frage ich mich: Wirke ich denn krank oder traurig? Oder ist das Tempo in der öffentlichen Wahrnehmung „unnormal?“ Ich denke, wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich innerhalb weniger Wochen 10 kg verlieren würde, wäre ich auch etwas ungläubig gewesen. Hm.

In letzter Zeit nehme ich gefühlt gar nicht mehr ab. Auf der Waage minimal. Es sind noch ein paar Kilo zum Normalgewicht und auf der anderen Seite fühle ich mich schon viel wohler. Hin und Her.

Was wirklich schlimm war, waren meine Oberschenkel. Es gibt so Dinge, über die möchte man nicht reden – nicht mal mit sich selbst. Ich hatte zum Beispiel einen Rock getragen, ohne Strumpfhose. Meine Oberschenkel rieben so stark aneinander, dass alles wund wurde. Sehr unangenehm. Und peinlich. Noch immer reiben sie heute aneinander, aber nicht mehr stark. Ich freue mich, wenn ich bald wieder „normal gehen“ kann.

So viel zum Sonntag.

Wie hast du das gemacht?

„Wow, was ist denn mit dir passiert? Du bist ja nur noch die Hälfte!“ Ja, das geht runter wie Öl. Und dann: „Wie hast du das gemacht?“

„Und wie geht es dir so? Und sag mal, wie bist du eigentlich deine Pfunde losgeworden?“

„Also ich kann mir ja gar nicht vorstellen, auf so vieles zu verzichten.“

Es wird langsam mühselig. Ich erzähle von diesem tollen Buch, das ich gelesen habe. Ich beschreibe, wie ich an diesem Punkt war, an dem ich einfach nicht mehr weiter zunehmen wollte. Verschweige, dass es dann noch fast zwei Jahre gedauert hat, bis ich wirklich Erfolge erzielt habe.Aber ich kann ja nicht schon wieder von dem Buch anfangen. Oder?

Ich rede von meiner App, mit der ich mich durch den Alltag bewege und weiterhin total faul sein kann – was kochen und auch Sport angeht. Wobei ich eigentlich ganz gerne zum Sport gehe. Aber darum geht es eben nicht. Ich beschreibe, dass ich nun weiß, was wo drin steckt und wo ich die „Fallen“ sehe. Wie frustrierend es ist, sich gesund zu ernähren, auf vieles zu verzichten – um dann doch auf dem gleichen Gewicht hängen zu bleiben, weil man eben zum Beispiel mit Nüssen und Olivenöl ein bisschen aufpassen sollte.

Dann kommen die Gegenargumente.

Also bei mir würde das nicht funktionieren. Ist das nicht anstrengend? Ich brauche Brot und Kohlenhydrate. Ich mache das so und so.

Ja, ist mir egal. Ich habe das Gespräch ja nicht begonnen. Und sorry, aber bei mir funktioniert es halt. Du wirst dich dagegen wahrscheinlich noch weiter im Kreis drehen. Ich kann dir nur sagen, was für mich in meiner bestimmten Situation gepasst hat. Ich muss dir nicht alles erklären, aber ich versuche es gerne. Wenn ich dann auf deine Wiederstände stoße – ist ok. Sorry, aber so ist es.

Bin ja schließlich nicht für alle verantwortlich. Ich habe das Abnehmen nicht erfunden. Und letztlich: Frag mich nicht, wie ich es gemacht habe, wenn du es eh nicht hören willst!

Argh.